Erneuter Granatenbeschuss: Türkei und Syrien liefern sich schon wieder Gefechte

Die prophetischen Worte des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan vom vergangenen Freitag haben sich schneller in bare Realität verwandelt als gedacht. Noch am selben Tag schlug erneut eine syrische Granate auf türkischem Boden ein. Die türkischen Truppen feuerten umgehend zurück. Auch am Samstagmorgen kehrt keine Ruhe ein.

Der Granateneinschlag am späten Freitagabend hat sich türkischen Medienberichten zufolge in einem unbewohnten Gebiet in der südtürkischen Provinz Hatay nahe des Dorfes Aşağıpulluyazı im Distrikt Yayladağı zugetragen. Verletzte soll es diesmal nicht gegeben haben. Das nächste Haus zum Einschlagsort befand sich jedoch nur gut 100 Meter entfernt.

Im Ausland wird der erneute Zwischenfall, nachdem viele bereits auf ein Abklingen der Spannungen gehofft hatten, nun mit großer Sorge betrachtet. „Es ist eine extrem ernste Situation“, zitieren die deutschen Medien unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel. Weiter baue sie auf die Besonnenheit der Türkei und der NATO und dass diese es nicht zu einem Krieg kommen ließen. Während einer Rede in Istanbul hat der türkische Premier Erdoğan noch am Freitagnachmittag verdeutlicht: „Wir sind nicht an einem Krieg interessiert, aber wir sind auch nicht weit davon entfernt.“ Gleichzeitig warnte er: Diejenigen, die die Kapazitäten der Türkei, ihre Entschlossenheit und ihre Abschreckungswirkung auf die Probe stellen wollten, würden einen schwerwiegenden Fehler machen (Syrien, so der Premier, solle sich nicht auf einen Krieg mit der Türkei einlassen – mehr hier).

Erneuter Granateneinschlag am Samstagmorgen

Auch am Samstagmorgen kehrt keine Ruhe ein. Erneut, so berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu, kam es zu einem Granatenbeschuss aus Syrien, das wiederum sofort von den türkischen Truppen erwidert wurde. Diesmal schlug das Geschoss 500 Meter vom Örtchen Güvecci entfernt ein. Es ist der nunmehr dritte Grenzzwischenfall binnen vier Tagen. Als Angriff des syrischen Regimes wird der Vorfall von den türkischen Behörden allerdings nicht gewertet. Wie das Amt des Gouverneurs von Hatay klarstellt, soll es sich um einen fehlgeleiteten Angriff der syrischen Armee auf die Rebellen gehandelt haben.

Aus Syrien gab es zuvor eigentlich ein deutliches Signal der Deeskalation. Das Land hat nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen Panzer und anderes militärisches Gerät von der Grenze zur Türkei zurückgezogen und hält nun einen zehn Kilometer-Abstand ein. Eine offizielle Entschuldigung für den Granatenbeschuss am vergangenen Mittwoch mit fünf Toten gab es bisher allerdings nicht. Bisher gab es lediglich eine Beileidsbekundung an die Angehörigen der Opfer.

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