Mavi Marmara: Opferfamilien verklagen Israel auf Entschädigung

Die Familien der Opfer, die bei dem israelischen Angriff auf das Hilfsschiff Mavi Marmara im Jahr 2010 ums Leben kamen, haben am vergangenen Freitag einen Antrag auf Entschädigung gegen Israel gestellt. Der Vorfall kostete acht türkische und einem US-Bürger türkischer Herkunft das Leben.

Mehr als zwei Jahre nach der israelischen Attacke auf das Hilfsschiff Mavi Marmara forden Opfer und Hinterbliebene nun zumindest monetären Ausgleich. (Foto: paffairs_sanfrancisco/flickr)

Mehr als zwei Jahre nach der israelischen Attacke auf das Hilfsschiff Mavi Marmara forden Opfer und Hinterbliebene nun zumindest monetären Ausgleich. (Foto: paffairs_sanfrancisco/flickr)

Wie Uğur Yıldırım, Anwalt der Opferfamilien, gegenüber den türkischen Medien erklärte, hätten die Hinterbliebenen von Furkan Doğan, Cevdet Kılıçlar und Necdet Yıldırım gemeinsam mit 30 anderen Personen, die finanzielle Verluste und emotionalen Schaden erlitten haben, den israelischen Staat auf Entschädigung verklagt.

Unter den Klägern, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, seien auch Personen, die bei dem Angriff auf die Gazaflotilla schwer verwundet wurden. Daneben hätten sich auch Krankenschwestern und Mitglieder der Presse, die sich während der Razzia am 31. Mai 2010 an Bord des Schiffes befanden, in die Klägergruppe eingereiht.

Einige Kläger wollen nur symbolische Entschädigung

Laut Yıldırım würden die Kläger von Israel eine Entschädigung in Höhe von insgesamt zehn Millionen türkische Lira, also 4.252.339,51 Euro, verlangen. Während Sema İşlek, Mevlüt Yurtseven, Ekrem Çelik sowie Nilüfer Çelik, die den Angriff vor gut zwei Jahren überlebten, nur eine symbolische Entschädigung von einer Lira (0,43 Euro) fordern, würden die Familien Kılıçlar und Yıldırım eine Million Lira (425.233,95 Euro) für sich beanspruchen.

Die israelisch-türkischen Beziehungen gelten seit dem Angriff auf das Hilfsschiff als zerrüttet. Bis heute verweigert der einstige Verbündete Israel eine Erklärung der Reue und ein Eingeständnis seines Fehlverhaltens. Der Türkei ist ein Bedauern allerdings zu wenig (in einem UN-Bericht zu dem Vorfall heißt es, die Taten seien zwar übertrieben und unangemessen gewesen, seien aber trotzdem rechtmäßig – mehr hier). Um die binationalen Beziehungen wieder zu normalisieren fordert die Türkei seither neben einer offiziellen Entschuldigung auch Schadensersatzzahlungen an die Familien der Getöteten sowie die Aufhebung ihrer Seeblockade des Gazastreifens.

Israel soll bereits sechs Millionen Dollar geboten haben

Erst Ende Mai dieses Jahres hatte ein türkisches Gericht neun Mal lebenslänglich, also insgesamt 18.000 Jahre Haft, für vier ehemalige israelische Befehlshaber wegen der Tötung von neun türkischen Zivilisten an Bord der Gaza-Hilfsflotte Mavi-Marmara gefordert. Das Verfahren soll Anfang November beginnen (eine Auslieferung im Falle einer Verurteilung galt jedoch schon zu jener Zeit als aussichtslos – mehr hier). Kurz zuvor kursierte die Meldung, dass Israel den Angehörigen bereits sechs Millionen Dollar geboten hätte (von Seiten Israels wurde das allerdings dementiert – mehr hier).

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