Polizeichef von Diyarbakır zum PKK Problem: Wir alle tragen Verantwortung für die Jugend

Der neu ernannte Polizeichef von Diyarbakır, Recep Güven, ist der Ansicht, dass die gesamte Gesellschaft die Verantwortung dafür trage, wenn junge Menschen zur Waffe greifen und sich der Terrororganisation PKK anschließen. Das Problem im Nordosten des Landes würde nicht gelöst, solange nicht auch Tränen für die im Kampf mit den Sicherheitskräften gestorbenen Terroristen vergossen würden.

Güvens tabubrechende Aussagen, so berichtet derzeit die türkische Tageszeitung Zaman, seien während eines Treffens mit Journalisten am vergangenen Sonntag in einem Kaffeehaus in Diyarbakır gefallen (in dieser Gegend der Türkei werden die Kinder bereits in der Schule in Waffenkunde unterrichtet – mehr hier). Die Region Diyarbakır, so stellte der neue Polizeichef heraus, hätte in der Vergangenheit sehr viele wertvolle Menschen hervorgebracht. Heute sei das anders: Die Gegend ziehe aufgrund eines Mangels an Aufsicht und Kontrolle „Monster“ groß.

Der grundlegende Fehler, führt Recep Güven aus, bestünde darin, dass man die Menschen nicht mehr erreiche. Ginge nun ein junger Mensch in die Berge, um sich der PKK anzuschließen, trügen alle, so selbstkritisch müssen man schon sein, die Verantwortung dafür (ein türkischer Sicherheitsexperte erörtert ausführlich die Gründe, warum sich Frauen der PKK anschließen – mehr hier).

Schlechte Lebensbedingungen: Flucht in die PKK

Güven, der bereits in den 1990ern für fünf Jahre als Geheimdienstoffizier in Diyarbakır war, kam erst kürzlich aus Siirt zurück in die Gegend, um seinen Posten als Polizeichef anzutreten. Nach eigenen Angaben habe er hunderte von Berichte über junge Leute gelesen, die zur PKK gegangen seien. Diese, so sein Fazit, hätten die Terrororganisation auf Grund der eigenen, schlechten Lebensbedingungen gewählt.

„Diese Kinder schrieben: ‚Ich möchte unserem Kampf um nationale Unabhängigkeit beiwohnen.‘ Dies ist ihr letzter Satz. Als ich einen von ihnen fragte, wie alt er sei, sagte er mir zwölf. Sein Vater sei arbeitslos und würde die Mutter schlagen. Das soziale Umfeld ist schrecklich. Er kann dieses Leben nicht weiterleben. Er sagt: ‚Ich werde kämpfen.‘ Er flieht aus den Umständen, in denen er lebt. (…) Es ist ein Problem der Gesellschaft. Wenn wir das nicht erwähnen, wie können wir das Problem dann lösen?“, fragt Güven. Der Staat existiere, um den Menschen zu dienen, macht der Polizeichef eindrücklich klar. Das Leben eines Menschen habe immer Vorrang vor dem Staat. „Lasst die Menschen leben, dann kann auch der Staat leben.“

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