Gül bricht sein Schweigen: In Syrien ist der „worst case“ eingetreten

Bisher war es Premier Recep Tayyip Erdoğan, der die jüngsten Spannungen an der türkisch-syrischen Grenze wortgewaltig begleitet hat. Nun meldet sich erstmals Präsident Abdullah Gül zu Wort. Für den Staatsmann ist klar: Die aktuelle Krise ist die Manifestation des absoluten „worst case“-Szenarios.

Die siedenden Spannungen an der türkisch-syrischen Grenze sind für den türkischen Präsidenten Abdullah Gül die Verwirklichung des schlimmstmöglichen Falls. Mit seiner Warnung, so berichtet die türkische Hürryiet, verband der Politiker jedoch gleichzeitig die Hoffnung, dass der Übergang in der arabischen Republik eher früher als später stattfinden werde.

Von nicht weit entfernten Kriegen und einer Bevölkerung, die sich auf diesen Fall einstellen möge, sprach Gül nicht (der türkische Premier übt sich seit Ende vergangener Woche in Kriegsrhetorik – mehr hier). Besonnen und dennoch dem Ernst der Lage angemessen analysierte er gegenüber Reportern: „In Syrien passiert im Augenblick das schlimmste Szenario. Das syrische Volk leidet und die Entwicklungen dort betreffen auch die Türkei. Auch türkische Bürger haben ihr Leben verloren.“ In einem solchen Moment, so Gül mit Blick auf die Vorfälle in Akçakale am vergangenen Mittwoch, sei man stets in Beratungen mit der Regierung und dem Chef des Generalstabs. Was auch immer notwendig werde, würde auch getan werden. Und das werde auch weiterhin so sein.

Abdullah Gül hofft auf baldigen Übergang in Syrien

Für den türkischen Präsidenten ist jedoch ebenfalls klar. So, wie die Dinge derzeit in Syrien laufen, kann es nicht weitergehen. Früher oder später werde es in Syrien zu einem politischen Übergang kommen. Die Türkei wünsche sich jedoch, dass dies geschehe, bevor es zu weiterem Blutvergießen komme und Syrien vollständig ruiniert sei. Seiner Ansicht nach sollte die Internationale Gemeinschaft jetzt aktiv involviert werden.

Die jetzt an Journalisten gerichteten Worte waren die ersten, die Gül seit den Todesfällen von Akçakale und der Entscheidung des Parlaments am Tag darauf, öffentlich zur aktuellen Situation äußerte. Gleichzeitig gab es am Montag durch den syrischen Informationsminister Omran al-Zoubi eine Schelte aus dem Nachbarland. Die Türkei, so die Ansicht des einstigen Verbündeten, habe einen „politischen und diplomatischen Fauxpas“ begangen, indem sie Vizepräsident Faruk al-Shara als potentiellen Nachfolger des angeschlagenen Präsidenten Bashar al-Assad vorgeschlagen habe (nach Ansicht des Außenministers Ahmet Davutoğlu ist er genau die richtige Wahl – mehr hier). Man befände sich, so al-Zoubi, nicht mehr in den Tagen des Osmanischen Reiches. Er rät der türkischen Regierung sich zugunsten von Persönlichkeiten zurückzuziehen, die die Zustimmung der türkischen Bevölkerung genießen würden. Davutoğlu soll Al-Shara als „vernünftigen Mann“ bezeichnet haben, der „sich nicht an den Massakern in Syrien beteiligt“. Niemand, so seine Einschätzung, kenne das System besser als er. Faruk al-Shara hätte die Unterstützung der Türkei als auch der syrischen Opposition.

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