Finanzkrise in Griechenland: Muslimische Gläubige haben das Nachsehen

Schlechte Nachrichten vom Präsidenten und Mitbegründer der Islamischen Gemeinschaft in Griechenland, Naim El-Ghandour. Zwar sei ihm von offizieller Seite mitgeteilt worden, dass man eine Moschee in Athen bauen wolle. Doch auf Grund der Finanzkrise könne man sich das Vorhaben derzeit nicht leisten.

Wie Naim El-Ghandour im Rahmen eines Treffens in Athen erklärte, hätte ihm der griechische Generalsekretär für religiöse Angelegenheiten mitgeteilt, dass die griechische Regierung das Vorhaben eine Moschee im Zentrum von Athen zu bauen, auf Grund der sich zunehmend verschärfenden Finanzkrise auf unbestimmte Zeit auf Eis legen würde. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Die griechische Regierung wird die Moschee früher oder später bauen. Doch jetzt kann sie sich das nicht leisten“, so Generalsekretär George Kalantzis.  Und das, so Naim El-Ghandour in einem Telefoninterview mit dem türkischen Medium, „obwohl die Muslime des Landes weiterhin nach einem Iman und einer Moschee verlangen.“ (im Gegensatz dazu stehen 30 Millionen Euro, die in eine neue Rennstrecke gepumpt werden sollen – mehr hier)

Die türkische Botschaft in Athen hat bereits ihre Unterstützung für die Errichtung der Moschee bekundet und zugesichert, ein Auge auf die aktuelle Debatte zu haben. „Der Bau einer Moschee in Athen ist eine Frage der Menschenrechte und der Freiheit der Religionsausübung“, unterstreicht auch ein nicht näher genannter Diplomat das Anliegen gegenüber der Zeitung.

Moscheebau: Beiseite gelegte Millionen sind verschwunden

Bereits während seines letzten Besuches in der griechischen Hauptstadt im Mai 2010 hatte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan den damaligen griechischen Premierminister George Papandreou offiziell aufgefordert, die Fethiye Moschee im Zentrum von Athen nach ihrer Renovierung wieder zu öffnen.

Wie El-Ghandour weiter berichtet, seien bereits rund 15 Millionen Euro, die für das Projekt vorgesehen waren, auf unerklärliche Weise verschwunden (derweil wird der Familienschmuck in der Türkei versetzt – mehr hier). Dieses Geld sei vom griechischen Bildungsministerium im Jahr 2006 beiseite gelegt worden. Kalantzis hätte ihm auch versichert, dass die Moschee fertiggestellt werden würde. Doch wann genau das sein würde, darüber habe er keine Angaben gemacht.

Inoffiziellen Schätzungen zufolge leben derzeit etwa 500.000 Muslime in Griechenland. Viele von ihnen, so informiert die Hürriyet, seien Migranten ohne Papiere. Athen sei darüber hinaus derzeit die einzige europäische Hauptstadt, die keine Moschee habe. Im Augenblick, so berichtet Achilles Hekimoglou, ein Journalist der in Athen ansässigen Tageszeitung To Vima, würden die Muslime auf mehr als 100 inoffizielle Moscheen in ganz Athen ausweichen. Wer oder was dort gepredigt würde, das wüsste nur Gott allein. Bisher sei der Bau einer Moschee entweder daran gescheitert, dass man dem Thema eine zu geringe Priorität einräumte oder der politische Druck einfach zu groß gewesen sei.

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