Strikter Kurs: Erdoğan schließt Unterricht auf Kurdisch kategorisch aus

Wahlfach Kurdisch ja, Unterricht auf Kurdisch, nein. Aktuell hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan erneut seine Haltung zum Schulunterricht in anderen Spachen deutlich gemacht. Dabei schloss er die Möglichkeit der öffentlichen Bildung in anderen Sprachen als Türkisch, auch in anderen „Muttersprachen“ wie etwa Kurdisch, kategorisch aus.

„Bildung in der Muttersprache. Es gibt keine solche Sachen. Unsere offizielle Landessprache ist Türkisch“, machte Erdoğan gegenüber AKP-Fraktion deutlich. Bildung in Muttersprache sei eine der Forderungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), so Erdoğan. Die Regierung habe immerhin ihre Pflicht erfüllt und mit diesem Schuljahr Kurdisch als Wahlfach eingeführt.

Der Premier verwies in seiner Argumentation auf andere europäische Staaten, wo es eine solche Praxis ebenfalls nicht gebe. BDP-Vorsitzender Selahattin Demirtaş ließ das jedoch nicht gelten. „Er gibt Europa als Beispiel an, indem er sagt: ‚Gibt es Unterricht in türkischen Muttersprachen in Deutschland und Frankreich?‘ Doch es gibt in Deutschland keine Türkei und auch keine Türkei in Frankreich. Doch in der Türkei gibt es ein Kurdistan. Aus diesem Grund haben Kurden das Recht auf Bildung in ihrer Muttersprache von Geburt an. Man kann diese Realität nicht verleugnen, nur weil man sie nicht versteht“, so Demirtaş (erstmals wurde Kurdistan vor einigen Monaten in offiziellen Papieren erwähnt – mehr hier).

BDP: Muttersprache als Wahlfach ist grausam

Schon die Einführung von Kurdisch als Wahlfach wurde von Seiten der BDP kritisiert. So ist die Co-Vorsitzende der BDP, Gültan Kışanak, der Ansicht: “Jeder weiß, dass der grundlegene Erwerb einer Sprache im Alter von sieben bis acht Jahren abgeschlossen ist. Die Muttersprache ist ein Grundrecht. Sie sollte ohne Einschränkungen ununterbrochen genutzt werden. Niemand kann dieses Thema als Verhandlungsgegenstand hernehmen.” Die BDP fordert, dass kurdische Schüler ausschließlich in kurdischer Sprache unterrichtet werden (erst kürzlich gab es einen Ruf aus der Partei, dass Kurden die AKP verlassen sollten – mehr hier). “Den Menschen ihre eigene Sprache in einem Wahlfach beizubringen ist grausam”, so Kışanak weiter. Ihre Sorge gilt dem Fortkommen der Sprache in künftigen Generationen. Ihrer Ansicht ist das nicht gewährleistet, wenn die Kinder ihre Muttersprache nicht von Grund auf lernen.

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