Nach der Zwangslandung: Streit zwischen Türkei und Russland entbrannt

Die Zwischenlandung eines aus Moskau kommenden syrischen Passagierflugzeugs in Ankara hat nun einen heftigen Disput zwischen der Türkei und Russland entfacht. Russland fordert eine Erklärung der türkischen Behörden und behauptet gleichzeitig, dass es im Flugzeug gar keine Waffen gegeben habe. Derweil beschuldigt Syrien die Türkei der Piraterie.

Einen Tag nach der Zwangslandung des syrischen Airbus 320 auf dem Esenboğa Flughafen in Ankara fordert Russland nun eine Erklärung von Seiten der Türkei. Nach Ansicht der russischen Behörden habe das Abfangmanöver des aus Moskau kommenden Flugzeugs das Leben der Passagiere gefährdet. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Wir sind besorgt, dass diese Notsituation, das Leben und die Sicherheit der Passagiere, darunter 17 russische Staatsbürger, gefährdet haben könnte“, heißt es derzeit aus dem russischen Außenministerium. Die russische Seite, so weiter in der Erklärung, bestehe weiterhin auf eine Erläuterung der Gründe für solche Aktionen von Seiten der türkischen Behörden.

Türkei untersagt Zugang russischer Diplomaten zu Passagieren

Das russische Ministerium, so berichtet die Hürriyet weiter, liste darüber hinaus zahlreiche gravierende Mängel auf, die seiner Ansicht nach von den türkischen Behörden im Umgang mit dem Vorfall gemacht wurden. So habe man zum Beispiel die russische Botschaft in Ankara nicht darüber informiert, dass sich russische Staatsbürger an Bord befunden hätten. „Davon haben wir über Nachrichtenseiten erfahren.“ Die Botschaft verlangte später von den türkischen Behörden Zugang zu den Passagieren. Mitarbeiter des Konsulats sowie Ärzte wurden darauf hin zum Flughafen gebracht. Vor Ort wurde ein Treffen der Diplomaten mit ihren Landsleuten von türkischer Seite jedoch abgelehnt. Und das, so heißt es weiter, „ohne eine Erklärung“.

Ganze acht Stunden hätten die russischen Passagiere an Bord der Maschine verbringen müssen. Es hätte keine Lebensmittel gegeben. Ein Gang in den Flughafen sei ihnen ebenfalls nicht gestattet worden. Lediglich die Landebahn hätten sie betreten dürfen. Laut der Nachrichtenagentur Anatolia wurde dem Flugzeug gegen 23.30 Uhr Ortszeit die Starterlaubnis erteilt. Neun Stunden, nachdem es zur Zwischenlandung gezwungen wurde.

Unterdessen werden auch Vorwürfe aus Syrien laut. Der syrische Transportminister Mahmoud Said beschuldigt, laut der Nachrichtenagentur Reuters, die Türkei derzeit der „Luftpiraterie“. Demnach habe der libanesische Fernsehsender al-Manar den Minister damit zitiert, dass der Vorfall „Luftpiraterie gewesen ist, die den Regeln der Zivilluftfahrt widerspricht“. Das Flugzeug, das unterwegs nach Damaskus war, habe, so Syrien, legitime Ladung an Bord gehabt. So unterstreicht Ghaida Abdulati, Leiter der Syrian Arab Airline: „Als das Flugzeug untersucht wurde, war es klar, dass es (…) zivile Pakete mit elektrischen Geräten enthält, deren Transport erlaubt ist und die offiziell registriert waren.“

Russland dementiert Waffentransport nach Syrien

Mit seinem Vorgehen, so Jayda Abdullatif, Leiter der syrischen Zivilluftfahrt, gegenüber Russia Today, habe die Türkei gegen internationale Rechtsvorschriften für die Zivilluftfahrt verstoßen. Das Flugzeug habe nur Zivilisten und ihr Gepäck, vor allem Frauen und Kinder, transportiert. Ein Umstand, der derzeit auch von russischer Seite betont wird. So behauptet eine anonyme Quelle aus russischen Rüstungsexportkreisen, dass es an Bord keinerlei Waffen oder andere militärische Systeme gegeben habe. Das meldet die Nachrichtenagentur Interfax. Ganz anders die Darstellung der türkischen Medien. Sie sprechen von 300 Kilogramm Militärgüter, die als „diplomatisches Gepäck“ getarnt gewesen und für das syrische Verteidigungsministerium bestimmt gewesen seien. Die Ladung wurde beschlagnahmt und erst dann der Weiterflug gestattet.

Syrien, so heißt es von Seiten der türkischen Hürriyet, wolle nun Beschwerde bei der International Civil Aviation Organization (ICAO) und anderen Organisationen einreichen.

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