Türkisch-russische Spannungen: USA stellen sich hinter die Türkei

Die Zwangslandung eines syrischen Passagierflugzeugs am Mittwochabend in Ankara hat nun auch die USA zu einer erneuten Positionierung veranlasst. Nach dem Aufkommen von Spannungen mit Syriens Top-Verbündetem Russland haben sich die Vereinigten Staaten klar hinter die Türkei gestellt. Außenminister Guido Westerwelle mahnt derweil zur Besonnenheit.

Die aus Moskau kommende Maschine der SyrianAir, das wurde am vergangenen Donnerstagabend im Rahmen einer Pressekonferenz noch einmal vom türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan bestätigt, habe in der Tat militärisches Gerät an Bord gehabt (das Ganze sollte von einem russischen Rüstungshersteller an das syrische Verteidigungsministerium übersandt werden – mehr hier).

Obschon US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland nicht bestätigen könne, was genau in der Maschine gefunden wurde, erklärte sie hierzu: „Wir unterstützen die Entscheidung der türkischen Regierung, das Flugzeug zu durchsuchen.“ Im Augenblick, zitiert sie die türkische Zeitung Hürriyet, sei jeder Transfer von militärischer Ausrüstung an das syrische Regime als sehr beunruhigend zu betrachten. Man freue sich, mehr von der türkischen Seite zu hören, was man konkret entdeckt habe. Gleiches war am Donnerstag auch vom stellvertretenden Regierungssprecher Josh Earnest in Washington zu hören.

Beschlagnahmte Ladung wird von der Türkei untersucht

Laut Premier Recep Tayyip Erdogan habe sich an Bord des Airbuses „Ausrüstung und Munition“ befunden, die für das syrische Verteidigungsministerium bestimmt gewesen seien und offenbar von einem russischen Rüstungshersteller stammten. Das beschlagnahmte Material, so der Politiker, werde nun sorgfältig von den türkischen Behörden untersucht. Genaue Angaben machte der AKP-Chef allerdings nicht.

Russland hatte am Tag nach der Zwangslandung eine Erklärung von Seiten der Türkei gefordert, da die türkischen Behörden das Leben der Passagiere gefährdet haben sollen (derweil streute das russische Fernsehen Gerüchte – mehr hier). Gleichzeitig reagierte auch Syrien und forderte die Herausgabe der auf dem Esenboğa Flughafen konfiszierten Ladung. Das syrische Außenministerium bewertete das Vorgehen als „feindlichen Akt“ (der syrische Transportminister Mahmoud Said sprach von Luftpiraterie – mehr hier). Gleichzeitig wurde, wie auch von russischer Seite, bestritten, dass es sich bei der Ladung um Waffen oder sonstige verbotene Güter handeln würde.

Guido Westerwelle mahnt zur Besonnenheit

Mit der Zwangslandung des Linienflugs RB 442 hat sich die Türkei, die derzeit mehr als 90.000 syrische Flüchtlinge beherbergt, nun endgültig mitten in den syrischen Konflikt hineinbugsiert. Die Sorge um einen möglichen Flächenbrand, wie sie bereits nach dem Jet-Abschuss Ende Juni und nach dem Granateneinschlag Mitte letzter Woche aufkamen, werden in Anbetracht der aktuellen Situation weiter geschürt. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle mahnt nun zur Besonnenheit und rät dringend davon ab, weiter Öl ins Feuer zu gießen. Ein solches Vorgehen, so seine Auffassung, könnte die Spannungen nur noch zusätzlich anheizen. Zwar seien Waffenlieferungen an das syrische Regime nicht akzeptabel. Gleichzeitig dürfe man aber auch nicht auf Provokationen hereinfallen. Westerwelle, der sich derzeit noch in China aufhält, wird bereits am Samstag zu einem Kurzbesuch in Istanbul erwartet.

Während seiner Visite wird der Außenminister zur Mäßigung aufrufen, gleichzeitig aber noch einmal Deutschlands Position bekräftigen. Auch die Bundesrepublik steht derzeit in Anbetracht der jüngsten Beschüsse aus Syrien – wie die USA – fest hinter dem NATO-Partner Türkei.

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