International Business Forum: Erdoğan will Handelsbeziehungen mit muslimischer Welt stärken

Während seiner Eröffnungsrede des International Business Forum (IBF) stellte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan heraus, dass die Türkei auch 2013 einem robusten Wachstum entgegen sehe. Geschuldet sei dieser Umstand der Diversifizierung der Exportmärkte und einer Steigerung der Handelsbeziehungen mit anderen muslimischen Nationen. Und davon, so der Premier müsse es künftig noch mehr geben.

Das International Business Forum (IBF), das von MÜSİAD, einem Verband unabhängiger Industrieller und Unternehmer, ausgetragen wurde, versammelte am vergangenen Donnerstag rund 5000 Geschäftsleute in einem Kongresszentrum im Istanbuler Vorort Yeşilköy. Ziel der Veranstaltung war die Stärkung der Kontakte unter türkischen Unternehmen und deren Partner in 83 verschiedenen Ländern.

Die Veranstaltung, so berichtet die türkische Tageszeitung Zaman, diente dem türkischen Premier Erdoğan gleichzeitig als Plattform, um seine ehrgeizigen Pläne für das türkische Wachstum in den kommenden Jahren zu umreißen. Nach einer Wachstumsprognose von nur 3,2 Prozent in diesem Jahr, so zeigte er sich zuversichtlich, würde die Kurve in den kommenden Jahren kontinuierlich nach oben zeigen (diesen Wert gab Ali Babacan in dieser Woche bekannt – mehr hier).

Erdoğan sieht Türkei als Vorbild für andere Nationen

Die Tagung, die als „Zusammenkunft der islamischen Geschäftswelt“ angepriesen wurde, wurde von Erdoğan auch zum Aufruf für eine bessere Integration der Volkswirtschaften im Nahen Osten genutzt. Die Art und Weise wie die Türkei die derzeitige Finanzkrise umschifft habe, könne anderen Nationen dabei durchaus als Vorbild dienen. „Wir müssen den Weg heraus aus dem (ökonomischen) Leid zeigen, das Muslime auf der ganzen Welt erleben“, so der Politiker in Richtung der Anwesenden. Und daran sollten die türkischen Unternehmen auch teilhaben. Nur so könne die Verflechtung der Türkei mit anderen Entwicklungsländern erhöht werden.

Sein Aufruf, so fasst MÜSİAD Chef Nail Olpak zusammen, sei von der türkischen Geschäftswelt schon jetzt erhört worden. Längst habe sich die türkische Wirtschaft von Europa emanzipiert und sich auf anderen Wachstumsmärkten umgesehen. „Im Jahr 2012 hat sich der türkische Handels-Mix verändert. In den ersten acht Monaten des Jahres schrumpften die Exporte nach Europa um 8,2 Prozent, während unsere Handelsbeziehungen mit der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) um 32 Prozent wuchsen. Machten unsere Geschäfte mit der OIC im Jahr 2000 nur elf Prozent der Exporte aus, waren es 2012 schon 23 Prozent.“ (Mitte August 2012 hat die OIC Syrien ausgeschlossen – mehr hier).

Vereinigte Arabische Emirate Top-Handelspartner der Türkei

Diie wachsende Bedeutung des Nahen Ostens für die türkischen Exporte bestätigen auch aktuelle Daten des Türkischen Statistischen Instituts (TurkStat). So sei der Handel mit den Vereinigten Arabischen Emiraten in den vergangenen zwölf Monaten um das Siebenfache auf jetzt 2,2 Milliarden US-Dollar gestiegen und erschütterte damit die Position Deutschlands als einer der traditionell wichtigsten Handelspartner der Türkei. Während sich, so fährt die Zeitung fort, Deutschland nun mit Platz zwei begnügen müsse, avancierte der Irak zum drittgrößten Exportmarkt der Türkei. Gleichzeitig warnte MÜSİAD Chef Nail Olpak, dass noch weitere, neue Märkte erschlossen werden müssten. Es müsse „noch viel getan werden, um das Potenzial des grenzüberschreitenden Handels zu erhöhen.“

In der Intensivierung der Beziehungen der Türkei mit dem Rest der islamischen Welt sieht er ebenso wie Erdoğan auch langfristige Vorteile für die jeweils anderen Staaten, vor allem jene, die Teil des Arabischen Frühlings gewesen seien (Ägypten erhält von der Türkei einen Kredit über eine Milliarde Dollar – mehr hier). Er betrachtet ein dortiges Engagement als eine Art Starthilfe, die den angeschlagenen Volkswirtschaften wieder auf die Beine helfen werde. Und umgekehrt: „Unser Ziel ist es, Investoren und Unternehmer aus der ganzen islamischen Welt in die Industriezentren Kocaeli, Kayseri und Konya zu bringen und ihnen zu helfen, Kontakte mit den Wirtschaftskreisen aufzubauen.“

Islamische Entwicklungsbank muss islamischen Staaten helfen

Ebenfalls in dieser Woche hatte Erdoğan bereits deutlich gemacht, dass er sich von der Islamischen Entwicklungsbank mehr Hilfe für notleidende islamische Staaten wünsche. Die Islamische Entwicklungsbank solle ihrer Verpflichtung nachkommen und islamischen Staaten helfen, sagte Erdoğan am Mittwochmorgen im Rahmen eines Treffens des Handelsausschusses der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Istanbul. Dabei unterstrich er, dass die Armutsbekämpfung in den islamischen Ländern Priorität für die Türkei besitze.

Mehr zum Thema:

Türkei am Scheideweg: Ohne Innovation kein nachhaltiges Wachstum
Beitritt in weiter Ferne: EU sieht wenig Fortschritte bei Menschenrechten in der Türkei
Ali Babacan: Türkische Wirtschaft wächst dieses Jahr um 3,2 Prozent


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.