Das teuflische Dreieck für Migranten: Bildungsferne, Armut, Arbeitslosigkeit

Den meisten Eltern aus Zuwandererfamilien ist viel am Lern- und Schulerfolg ihrer Kinder gelegen. Doch oft fehlen die finanziellen Mittel und das Wissen. Hier setzt nun die kooperative Elternarbeit an. Sie will Eltern in die Lage versetzen, ihre Kinder zu fördern.

Eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus ist ein wichtiger Baustein für den Bildungserfolg“, stellt Dr. Gunilla Fincke, Direktorin des SVR-Forschungsbereichs anlässlich der Veröffentlichung der Kurzinformation „Baustelle Elternarbeit“ fest (Die Kurzinformation ist hier abrufbar).

Laut der Kurzinformation ist die Familie für den Bildungserfolg von Kindern entscheidender als schulische Bedingungen, wie Lehrer, Unterricht und schulische Ausstattung. Und genau hier liegt auch das Problem: Denn über 29 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind armutsgefährdet, haben Eltern, die beide nicht erwerbstätig oder bildungsfern sind. Bei den Migranten liegt der Anteil bei 48 Prozent und noch höher liegt er bei Kindern mit türkischem Migrationshintergrund. So ist der Anteil von Migranten, die keinen Abschluss und Ausbildung haben, höher als bei Kindern ohne Migrationshintergrund (Fast jedes zweite Kind mit Migrationshintergrund und jedes zehnte deutsche Kind weist im Vorschulalter Sprachdefizite auf – mehr hier).

Migranten im Allgemeinen sind überdies laut Statistischem Bundesamt doppelt so häufig von Armut betroffen wie Menschen ohne Migrationshintergrund.

Möglichkeiten der kooperativen Elternarbeit sind begrenzt

Auch die Schule ist gefragt: Lehrer sollen direkt auf Eltern mit Migrationshintergrund zugehen und ihnen wichtige Informationen über Schulwege in Deutschland geben. Denn viele Eltern mit Migrationshintergrund wüssten nicht um die Besonderheiten des Schulsystems und könnten deshalb ihre Kinder nicht bei der Wahl der Schulform unterstützen.

Bildungsferne, Armut, Arbeitslosigkeit, dieses teuflische Dreieck wird die kooperative Elternarbeit nicht minimieren können. Doch sie kann den Eltern, durch Training, Elternworkshops oder Elterntreffs das Werkzeug in die Hand legen, eine bildungsfreundlichere Atmosphäre für ihre Kinder zu schaffen. In Anbetracht des demografischen Wandels wäre die verstärkte Arbeit mit Eltern und Kindern mehr als wünschenswert (im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten warf Prof. Monika Grütters die Frage auf, warum es in Deutschland so wenige türkische Lehrerinnen und Lehrer gebe – mehr hier).

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