Version der Türkei bröckelt: Airbus-Ladung wohl doch legal

Vehement hat die Türkei die Version von illegalem militärischen Material an Bord einer syrischen Passagiermaschine, die am Mittwoch zur Landung in Ankara gezwungen wurde, verteidigt. Doch was Russland und Syrien von Anfang an bestritten, wird jetzt vom russischen Außenminister Sergej Lawrow bekräftigt. An Bord des Airbus 320 sollen keine Waffen, sondern völlig legale Radarteile mitgeführt worden sein.

„Wir haben keine Geheimnisse“, zitiert die türkische Tageszeitung Hürriyet den russischen Außenminister Sergej Lawrow. „Es waren natürlich keine Waffen im Flugzeug und hätten auch nicht sein können. Es war eine Ladung an Bord, die ein legaler russischer Lieferant auf legale Weise an einen legalen Kunden senden wollte.“ (noch am Freitag hatte sich die USA hinter die Türkei gestellt – mehr hier)

Laut Angaben des Außenministers habe die Maschine der SyrianAir Radarkomponenten transportiert. Solche Gegenstände in zivilien Flugzeugen mitzuführen verstoße nicht gegen internationale Konventionen über die zivile Luftfahrt. Die Ladung, so räumte er jedoch ein, sei „zweifach verwendbar“, also sowohl zivil als auch militärisch. Gleichzeitig bekräftigte er, dass die russische Firma, die die Teile verschickt habe, diese nun von der Türkei, die diese in seinen Augen gesetzeswidrig beschlagnahmt hat und derzeit näher untersucht, zurückfordern werde.

Deklarierung der Radarsysteme war nicht erforderlich

Bereits am Donnerstagabend hatte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan vor Journalisten beteuert, dass im Flugzeug Munition gefunden worden sei. Details nannte er allerdings nicht. Am vergangenen Freitagmittag tauchten dann die ersten russischen Zeitungsberichte auf, die davon sprachen, dass das Flugzeug mit russischen Radarteilen für syrische Raketenabwehrsysteme, aber nicht mit Waffen unterwegs gewesen wäre.

Ausgegangen waren diese von der russischen Zeitung Kommersant, die unter Berufung auf Informanten aus der Waffenexportindustrie, verbreitete, dass sich an Bord der Maschine zwölf Kisten mit Radarteilen befunden hätten, die für Raketenabwehrsysteme der syrischen Armee genutzt werden könnten. Die Quelle wies gegenüber der Zeitung darauf hin, dass hierfür keine spezielle Deklaration nötig wäre, da für Besatzung und Passagiere keine besondere Gefahr bestehen würde (der syrische Transportminister Mahmoud Said sprach kurz nach der Zwangslandung von Luftpiraterie – mehr hier).

„Das sind keine Waffen (…) Es wurden keine internationalen Gesetze verletzt“, stellte auch Vyacheslav Davidenko, Sprecher des russischen Waffenexporteurs Rosoboronexport, klar. Darüber hinaus betonte er nachdrücklich: „Es gab keine Ladung, die zu uns gehörte.“ Das hatte Erdoğan zuvor angedeutet.

Syrien bezichtigt Erdoğan der „Lüge“

Unterdessen wird auch der Ton aus Syrien schärfer. Dort bezichtigt man den türkischen Premier aktuell sogar der „Lüge“ über seine Ausführungen zur Ladung. In einer Erklärung sagte das syrische Außenministerium: „Der Premier wird weiterhin lügen, um die feindselige Haltung seiner Regierung gegenüber Syrien zu rechtfertigen. Die Flugzeugladung wurde detailliert auf einem Frachtbrief dokumentiert und das Flugzeug führte keine illegalen Güter oder irgendwelche Waffen mit.“ Derweil fordert das Informationsministerium Erdoğan nun auf, die angeblich beschlagnahmten Waffen zu zeigen. „Das Flugzeug führte keine Munition oder militärische Ausrüstung mit. Erdoğans Kommentare sind nicht glaubwürdig. Er muss die Ausrüstung und Munition wenigstens seinen Leuten zeigen.“

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