Die Schattenseiten der türkischen Armee: Menschenrechtsverstöße erstmals aufgezeichnet

Etwa 32 Soldaten haben während ihrem Wehrdienst beim türkischen Militär aus „verdächtigen Gründen“ Selbstmord begangen. Das geht aus einer statistischen Untersuchung einer Initiative für die Rechte von Wehrpflichtigen hervor.

Der Bericht der Initiative, die von Human Rights Watch, der Helsinki Citizens ‚Assembly und anderen Gruppierungen in der Türkei unterstützt wird, stütze sich, so berichtet die türkische Hürriyet, auf die Ausführungen von 432 ehemaligen Soldaten. Die nach eigenen Angaben Misshandlungen während ihrer militärischen Dienste ertragen mussten.

Der Bericht aus dem Jahr 2012, so heißt es weiter, zeige die ersten statistischen Daten über Menschenrechtsverletzungen gegen Soldaten der türkischen Streitkräfte. Gut 48 Prozent der Ausführungen enthalten Berichte über Beleidigungen, 39 Prozent berichten über Schläge während ihrer Dienstzeit. 16 Prozent berichten über erzwungene, übermäßige körperliche Aktivität und 15 Prozent sprechen sogar von einer Verweigerung des Zugangs zu angemessener Gesundheitsversorgung.

Gesammelt wurden die Beschwerden über Verletzungen der Rechte während der Wehrpflicht über die Webseite askerhaklari.com. Eingegangen waren die ausgewerteten Berichte in der Zeit von 25. April 2011 bis 24. April 2012. Ankara, Türkisch-Zypern und Izmir gelten demnach als die Orte mit den meisten Misshandlungen.

Für großes mediales Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr der Fall eines türkischen Soldaten, der nach Misshandlungen durch seinen Vorgesetzten 80 Tage lang im Koma lag und schließlich verstarb (in der Medizinischen Militärakademie Gülhane (GATA) konnten die Ärzte nichts mehr für ihn tun – mehr hier). Uğur Kantar, der seinen Militärdienst als Gefreiter in der Türkischen Republik von Nordzypern ableistete, soll nicht das einzige Opfer gewesen sein. Nach Schilderungen des Vaters habe der junge Mann drei Tage ohne Essen und Trinken ausharren müssen. An einen Stuhl gefesselt hätte man ihn viele Stunden in der prallen Sonne stehen lassen. Das Militär leitete darauf hin eine Untersuchung ein (der Leiter der Menschenrechtskommission des türkischen Parlaments kündigte im September 2011 die Einrichtung einer Untersuchungskommission an – mehr hier).

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