Nächste Zwischenlandung: Türkische Behörden durchsuchen armenische Maschine

Ein armenisches Flugzeug auf dem Weg nach Aleppo wurde an diesem Montag von den türkischen Behörden zur Zwischenlandung in Erzurum aufgefordert. Die armenische Seite zeigte sich mit der Vorsichtsmaßnahme einverstanden.

Wie die türkischen Medien aktuell berichten, sei die armenische Maschine nach ihrer Zwischenlandung in Erzurum auf verdächtige Ladung hin untersucht worden. Nachdem Entwarnung gegeben werden konnte, wurde ihr der Weiterflug gestattet. An Bord befand sich, wie von den armenischen Beamten angegeben, humanitäre Hilfe, so der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bülent Arınç.

Zwischenlandung nach Chicagoer Abkommen erlaubt

Seit der erzwungenen Zwischenlandung einer syrischen Maschine, die von Moskau auf dem Weg nach Damaskus war, und wohl militärische Ausrüstung für das Regime Bashar al-Assad mitgeführt hat, sind sowohl der türkische als auch der syrische Luftraum verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Am Wochenende hatten beide Staaten den Überflug von Maschinen des jeweils anderen Landes untersagt (zuvor hatten sich die USA hinter die türkische Vorgehensweise gestellt – mehr hier).

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte nun, dass die Türkei nach dem Chicagoer Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt das Recht hätte, Flugzeuge, die ihren Luftraum durchkreuzten, dazu aufzufordern eine „technische Zwischenlandung“ vorzunehmen. Ob dieses Recht auch in Zukunft ausgeübt werde, dazu macht er allerdings keine weiteren Angaben.

Unterdessen hat Armenien bestätigt, dass es von der Durchsuchung der Maschine gewusst habe. „Die Landung des Flugzeugs in der Türkei war geplant und wurde nach vorheriger Einigung durchgeführt. Die Maschine liefert humanitäre Hilfsgüter an Syrien“, heißt es derzeit von Seiten Tigran Balayan, Sprecher des armenischen Außenministeriums (laut des russischen Außenministers Sergej Lawrow belaste die Zwangslandung der letzten Woche die türkisch-russischen Beziehungen nicht – mehr hier).

Aktuell 100,363 syrische Flüchtlinge in türkischen Camps

In den vergangenen zwei Wochen waren die Spannungen zwischen Syrien und der Türkei zunehmend eskaliert. Den Anfang machte ein syrischer Granatenbeschuss auf ein türkisches Grenzdorf mit fünf toten Zivilisten. Danach folgten die Reaktionen Schlag auf Schlag. Schon seit zwei Monaten nimmt das Blutvergießen in Syrien dramatisch zu, obschon weder Regierung noch Rebellen in der Lage gewesen sind, sich einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Die Zahl der Flüchtlinge die Zuflucht in den Nachbarländern – insbesondere der Türkei – suchten, stieg in dieser Zeit jedoch dramatisch an. Laut jüngsten Zahlen der türkischen Katastrophenschutzbehörde (AFAD) von diesem Montag halten sich aktuell 100,363 syrische Flüchtlinge in türkischen Camps auf. Die zuvor ausgerufene Schmerzgrenze wurde nun erreicht.

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