Familienministerin Şahin: Thema Zwangsehe wird von Deutschen missverstanden

Traditionelle arrangierte Ehe seien keine Zwangsehen, erklärte Familienministerin Fatma Şahin in Anwesenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Integrationsministerin Bilkay Öney. Die Zustimmung der Familie sei in der Türkei sehr wichtig. Nicht hinnehmbar seien dagegen unter Zwang entstandene Ehen und Kinderheirat.

Die Zahl der Zwangsehen in der Türkei gehe zurück, erklärte Familienministerin Fatma Şahin am Montag beim Besuch der baden-württembergischen Delegation, darunter Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Integrationsministerin Bilkay Öney. Es gäbe aber ein Missverständnis, was sie bei dieser Gelegenheit unbedingt aufklären wollte. Arrangierte Ehen in der Türkei würden in Deutschland falsch verstanden werden. Dies sei nichts Verwerfliches, so Şahin.

„In unserer traditionellen Struktur ist es so, dass ein Paar, wenn es heiraten will, die Zustimmung ihrer Familien einholt oder die Familien treffen Vorbereitungen für eine mögliche Heirat und das passiert mit der Zustimmung des Paares. Das nennen wir nicht Zwangsheirat“, erklärte Şahin zur arrangierten Ehe.

In der deutschen Gesellschaft werde das allerdings oft als „Zwangsehe“ missverstanden (auch in Deutschland greift das Familienministerium das Thema auf – mehr hier). „Die Zustimmung der Familie ist etwas, das die Ehe stärkt“, meint Şahin. Vorausgesetzt dies geschehe im Alter von mindestens 18 Jahren. Derzeit seien allerdings Zwangsheirat und Kinderehen, so Şahin weiter, ebenfalls ein großes Problem in der Türkei. Doch die Verlängerung der Schulpflicht habe dazu geführt, dass die Zahl solcher Fälle gesunken sei. Auch aus diesem Grund lege die Politik großen Wert auf die Bildung von Mädchen.

Bilkay Öney, Integrationsministerin für Baden-Württemberg, berichtete in Ankara von der Übereinkunft mit muslimischen Verbänden, Aktivitäten einzuführen, die häusliche Gewalt verhindern sollen. Auch das Thema Zwangsheirat, so die türkischstämmige Ministerin, sei ein Punkt auf der Agenda des Ministeriums. In dieser Sache wolle Öney mit türkischen Stellen zusammenarbeiten.

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