Trotz ökonomischer Bedenken: Türkei legt neue Flüchtlingsgrenze bei 400.000 fest

Bis Juni 2013 will die Türkei 400.000 syrische Flüchtlinge aufnehmen und das obwohl das Land schon jetzt mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen hat. Das wurde jetzt von türkischen Offiziellen signalisiert.

Die Türkei schätzt, dass die Zahl der syrischen Flüchtlinge in ihrem Land bis zum Juni 2013 die 400.000er Marke erreicht haben wird. Das berichtet die türkische Tageszeitung Hürriyet. Erst im vergangenen September hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR eine neue, drastische Prognose abgegeben. Bis zum Jahresende rechnet man dort mit insgesamt 700.000 syrischen Flüchtlingen. Bisher, so der Stand zu dieser Zeit, waren rund 300.000 in die umliegenden Länder geflohen.

Erst kürzlich gab der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek bekannt, dass die Türkei bisher rund 170 Millionen Euro für die Versorgung der Flüchtlinge ausgegeben hat. Rechne man die Ausgaben der Kommunen und staatlichen Institutionen dazu, so der Minister, läge diese Zahl jedoch um einiges höher. Die staatlichen Mittel seien an Organisationen geflossen, die sich um die syrischen Flüchtlinge in den diversen Camps auf türkischem Boden kümmerten. Mit Stand vom 15. Oktober 2012 hätten rund 100.000 Menschen in 14 türkischen Flüchtlingslagern „temporären Schutz“ erhalten. Zwei weitere Lager mit einer Gesamtkapazität von gut 30.000 Personen würden gerade errichtet.

PACE-Sprecher Andrea Rigoni stattet Türkei Besuch ab

Schon im vergangenen Sommer hat die Türkei darüber hinaus fünf Sammelstellen für Hilfsgüter entlang der türkisch-syrischen Grenze eingerichtet. Denn die derzeit 14 existierenden Camps sind mittlerweile an ihrer absoluten Aufnahmegrenze angekommen. Seit Wochen würden mehrere Tausend Syrer an der Grenze ausharren (dass man sie jedoch absichtlich an der Einreise hindere, wird derzeit von einem türkischen Diplomaten dementiert – mehr hier).

Bereits im vergangenen August hatte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu auf die prekäre Situation der Türkei hingewiesen und eine Schmerzgrenze von gut 100.000 Flüchtlingen ausgerufen. In dieser Woche wies MHP-Chef Devlet Bahçeli nun erneut auf die angespannte Lage hin (Einen weiteren Zustrom könnte das Land nicht handhaben – mehr hier).

Wie nun bekannt wurde, wird Andrea Rigoni, Berichterstatter des Ausschusses für Migration, Flüchtlinge und Vertriebene der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE), der Türkei zur Vorbereitung seines Berichts in der Zeit vom 17. bis 19. Oktober einen Besuch abstatten, um sich ein Bild von der Flüchtlingssituation zu machen.

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