Achtung: Die Polizei schreibt mit

Wenn Post von der Polizei ins Haus flattert, ist jeder zunächst nervös. Wenn es sich dann noch um eine Vorladung handelt, wissen die meisten nicht, wie sie reagieren sollen. Doch der Griff zum Telefon, um die Sache zu klären, ist leider die falsche Entscheidung.

Der Familienvater Saim B. ist geschockt. Er hat eine polizeiliche Vorladung im Briefkasten. Weil er sich den Grund dafür gar nicht erklären kann, ruft er gleich bei der Polizei an. Der Beamte am anderen Ende der Leitung erklärt ihm, dass eine junge Dame ihn wegen Nötigung angezeigt hat und behauptet, er habe sie durch wilden Spurwechsel ohne Blinker so behindert, dass nur ihre schnelle und umsichtige Reaktion einen Unfall verhindern konnte. Saim B. kann es nicht fassen. Klar fährt er viel auf der Autobahn, aber an ein solches Manöver kann er sich nicht erinnern. Das muss eine Verwechslung sein! „Dann wird das Verfahren sicher eingestellt“, beruhigt ihn der Polizist und macht sich eine Aktennotiz, denn Saim B. hat alleine mit diesem Anruf indirekt zugegeben, Halter und Fahrer des Fahrzeugs zu sein.

Anzeigen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Fakt ist: Eine Nötigung ist kein Kavaliersdelikt und die polizeiliche Vorladung zeigt, dass es bereits eine Ermittlungsakte gibt. Damit prüft die Staatsanwaltschaft schon die Voraussetzungen für die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis. Der Führerschein ist also in ernster Gefahr. Das Schlimmste: Jeder spontane Kontakt zur Polizei kann als Schuldeingeständnis gewertet werden – denn die Polizei schreibt nämlich bei Telefonaten jedes Wort mit! So logisch es Ihnen auch erscheinen mag: Der erste Impuls, ein scheinbares Missverständnis schnell selbst telefonisch klären zu wollen, ist der größte Fehler. Denn beim Telefonat bekennt sich fast jeder automatisch zur Fahrereigenschaft. Im Falle einer Vorladung ist also jeder Kontakt zur Polizei ein potenzielles Eingeständnis, das dem Staatsanwalt den Weg für eine Anklage eröffnet.

Der Rat vom Fachanwalt für Verkehrsrecht:

Reagieren Sie bei polizeilichen Schreiben nie spontan und nie ohne anwaltlichen Beistand. Jeder Behördenkontakt wird schriftlich festgehalten. Ein erfahrener Anwalt bringt für Sie in Erfahrung, was Ihnen zur Last gelegt wird und entscheidet, wie weiter vorzugehen ist, ohne dass Sie belastet werden.

Ein Beitrag von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht Alexander Dauer, Kanzlei Dauer Partner Berlin, Frankfurt am Main, Potsdam und Brandenburg. Rechtsanwalt Alexander Dauer ist bundesweit tätig und hilft in allen Fragen des Verkehrsrechts v.a. auch im Bußgeldrecht, bei der Unfallregulierung und bei Führerscheinproblemen (mehr hier).

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