„Muslim Demographics“: Sorgt jetzt ein altes Video für neuen Aufruhr?

Nur wenige Wochen nach den schweren Unruhen rund um den US-amerikanischen Schmähfilm „Die Unschuld der Muslime“ hat ein römisch-katholischer Kardinal für neuerlichen Aufruhr - diesmal im Vatikan - gesorgt. Der Geistliche führte ein zweifelhaftes YouTube-Video vor, das alarmierende Prognosen über das Wachstum des Islams in Europa verbreitet. Neu ist der Film allerdings nicht.

Der gut sieben Minuten dauernde Clip mit dem Titel „Muslim Demographics“ war am vergangenen Montag Gesprächsthema der Internationalen Bischofskonferenz. Zwei Tage zuvor, so berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, habe Kurienkardinal Peter Turkson das Video während einer freien Diskussionsrunde vorgeführt.

Der im Vatikan beschäftigte, gebürtige Ghanaer Turkson ist Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Mit der Vorführung des fragwürdigen Videos, so heißt es weiter, habe er unter seinen Bischöfen nun große Bestürzung ausgelöst.

„Muslim Demographics“ sorgt für Diskussion unter Bischöfen

„Als wir an diesem Morgen eintrafen, wurde ich einige Male gefragt: ‚Wer hat das geplant? Wer war das? Wer steckt dahinter?’“, fasst Pater Thomas Rosica vor Journalisten, denen diesmal nicht erlaubt war, der Versammlung der Synode beizuwohnen, die unruhige Situation zusammen. Im Rahmen der dreiwöchigen Konferenz, fährt Rosica fort, habe der Clip wohl für den bisher größten Diskussionsstoff gesorgt. Ein Bischof habe bereits angekündigt, Turkson durch die Vorlage eines Berichts mit gegenteiligen Daten zu widerlegen.

„Muslim Demographics“ hat den Islam nun zu einem der Top-Themen der Konferenz, an der 262 Bischöfe teilnehmen, gemacht. „Islam ist das Schlagwort“, so Rosica weiter. Doch warum Turkson ausgerechnet dieses Video für eine Vorführung im Vatikan ausgesucht hat, bleibt im Dunkeln. Wie Reuters berichtet, sei der Geistliche nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Zuletzt sorgt Papst-Vorlesung 2006 für Aufruhr

Neu ist der der Clip im Gegensatz zum kürzlich für Aufruhr sorgenden Video „Die Unschuld der Muslime“ allerdings nicht (der jüngste Film hat zahlreiche Tote gefordert – mehr hier). „Muslim Demographics“ wurde auf YouTube bereits rund 13 Millionen Mal angesehen. Ein anonymer User hatte das Machwerk schon 2009 online gestellt. Aufgestellt werden darin so provokative Thesen wie: In 39 Jahren sei Frankreich eine islamische Republik. Auch die darin verbreiteten statistischen Angaben etwa über die geringe Fruchtbarkeit französischer Frauen im Gegensatz zu der muslimischer Frauen im Land werden von Kritikern als völlig hahnebüchen zurückgewiesen.

Die Beziehungen des Heiligen Stuhls zum Islam wurden bereits im Jahr 2006 auf eine harte Probe gestellt. Die Rede von Papst Benedikt XVI. „Glaube, Vernunft und Universität – Erinnerungen und Reflexionen“ in der Universität von Regensburg wurde von nicht wenigen Muslimen als Angriff auf den Islam gewertet. Es kam zu wütenden Protesten in vielen muslimischen Ländern (kürzlich hatte der Pontifex seinen Segen erstmals auf Arabisch gesprochen – mehr hier).

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