Zypern im Clinch mit der Türkei: Kampf um Erdöl- und Erdgasvorräte

Im Mittelmeer hat längst ein erbitterter Kampf um Erdöl- und Erdgasvorräte begonnen. Die Türkei steht einem Bund zwischen Israel, Griechenland und der Republik Zypern gegenüber. Machtpolitik treibt alle Länder an. Der Gewinn verspricht viel: Reichtum für die nächsten Dekaden.

Vergangenen Dezember wurden erhebliche Erdöl- und Erdgasvorräte in zypriotischen Gewässern entdeckt. Über 122 Billionen Kubikmeter Gas werden dort vermutet. Genug um den jährlichen Gaskonsum der ganzen Welt zu decken. Eigentlich ist das ein freudiges Ereignis. Doch weit gefehlt: Dieser Fund reißt noch mehr Gräben zwischen die Türkei und die Republik Zypern. Ein Krieg droht.

Bereist öfter war die Insel in ihrer Geschichte ein Schauplatz machtpolitischer Kämpfe. Doch nun droht etwas Schlimmeres: Zypern steht am Anfang einer Dominokette, die in einen weitverzweigten Krieg münden kann. Viele Akteure könnten mit in den Krieg gerissen werden, darunter die Türkei, Russland, USA, Israel und Griechenland.
(Seit 38 Jahren ist die Insel gespalten: Im Norden leben überwiegend türkische und im Süden griechische Zyprer – mehr zum Ursprung des Konflikts – hier).

Sicherheitspolitik

Wie wichtig die neuen Erdöl- und Gasfunde sind, zeigt der Staatsbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in der Republik Zypern im Februar dieses Jahres. Noch nie zuvor hatte ein israelischer Ministerpräsident die Republik besucht. Beide Länder gaben an, die Suche nach fossilen Rohstoffen weiter fortzuführen – ganz zum Ärger der Türkei. Mit Unmut muss die Türkei auch die Erlaubnis für Israel gesehen haben, die militärische Infrastruktur der Republik Zypern zu benutzen; See- und Flughäfen eingeschlossen.

Mit dem israelischen Angriff auf das Hilfsschiff Mavi Marmara vor zwei Jahren, bei dem neun türkische Mitbürger und ein US-Bürger türkischer Herkunft starben (mehr – hier) verschlechterten sich die türkisch-israelischen Beziehungen drastisch. Der arabische Frühling tat sein Übriges. Israel verlor mit dem Sturz des Mubarak-Regimes in Ägypten einen guten Freund. Deshalb ist die Republik Zypern eine passende und stabile Alternative zu Ägypten und der Türkei. Israel hält folglich nichts davon, dass der von Türken bewohnte Norden der Insel etwas vom Kuchen abbekommt.

Für Griechenland steht auch sehr viel auf dem Spiel: Denn südlich der Insel von Kreta wurden ebenfalls fossile Rohstoffe gemeldet, die auch von der Türkei beansprucht werden. So sandte die Türkei letztes Jahr 17 Kriegsschiffe in die Region, um ihr Interesse zu untermauern.

Zypern als Grundpfeiler der türkischen Sicherheitspolitik

Zypern galt für die Türkei immer schon als sicherheitspolitischer Garant. Die Befürchtung Zypern und Griechenland könnten sich vereinen, macht der Türkei Angst. Denn in diesem Fall wäre die Türkei einem Angriff aus dem Süden auf das anatolische Mutterland ausgeliefert. Das will sie verhindern. Eine Aufgabe der Insel, ohne den politischen Einfluss zu behalten, scheint daher ausgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund erinnerte Alexander Downer, der UN-Sonderberater für Zypern, die Parteien daran, dass die wirtschaftliche Lage Zyperns durch die Erdgas- und Erdölvorräte verbessert werden und dies zu einer Wiedervereinigung der Insel führen könnte (mehr – hier). Zypern steckt nämlich in einer wirtschaftlichen Krise und beantragte bereits EU-Hilfen.

Doch die Bemühungen von Downer, die Parteien zu überzeugen und eine neue politische Debatte über die Wiedervereinigung der Insel zu beginnen, blieben unerhört. Auch der jüngste EU-Forschrittsbericht über die Türkei lässt nichts Positives erwarten. So wird die Türkei erneut aufgefordert, die diskriminierenden Beschränkungen gegenüber der Republik Zypern aufzuheben. Die Missachtung eines ihrer Mitglieder sei nicht hinnehmbar, hieß es im Bericht (mehr zum Fortschrittsbericht – hier). Ein baldiges Ende des Konflikts um die Rohstoffe scheint nicht in Sicht, solange alle beteiligten Staaten eine engstirnige Machtpolitik betreiben.

Mehr zum Thema:

Ahmet Davutoğlu folgt Angela Merkel: Türkischer Außenminister zu Gesprächen in Athen
Zukunftsaussichten: Die Türkei kann nicht ohne die EU
Regionale Spannungen: Türkei startet Öl-Bohrungen im Mittelmeer ohne Partner

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.