Erdoğans Plan geht auf: Istanbul avanciert zum neuen Finanzzentrum

Istanbuls wirtschaftliche Entwicklung zeichnet einen ausgezeichneten Weg seit der Weltwirtschaftskrise. Die Stadt ist zu einem großen Wirtschaftsstandort geworden. Die Pläne des türkischen Premiers gehen aber noch weiter und bedeuten noch einiges an Mühen und Aufwendungen.

„Als junges Land investiert man in die Zukunft und denkt langfristig. Wir sind eine muskulöse Wirtschaft und wir müssen unsere Muskeln koordinieren, damit alles richtig läuft“, sagt Suzan Sabanci Dincer, Vorsitzende der Akbank. Diversifikation des Finanzsektors und der Anreiz zum Sparen, seien die nächsten wichtigen Schritte zum Aufbau der Finanzmetropole Istanbul. Pensionsfonds machen bisher lediglich 1,1 Prozent und Anlagefonds nur 2,4 Prozent des türkischen Bruttoinlandsprodukts aus. Das soll sich in Zukunft ändern.

„Wenn die Krisenperiode, während der die internationalen Investitionen eingestellt wurden, vorbei ist, glaube ich, dass Istanbul an Bedeutung gewinnen und eine rapide Entwicklung als regionales und globales Finanzzentrum machen wird“, erklärte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bereits im Jahr 2009, als er seine Pläne für die Stadt vorlegte. Und diese Prognose scheint aufzugehen. Drei Jahre später gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass Istanbul große Fortschritte gemacht hat, schreibt, die Financial Times (auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zeichnete der Coca-Cola-Chef Muhtar Kent ein glänzendes Bild für das wirtschaftliche Fortkommen der Türkei – mehr hier).

Istanbul ist investorenfreundlich geworden

Türkische Banken haben dank der wachsenden Wirtschaft ihr Guthaben auf 706 Milliarden US-Dollar innerhalb der vergangenen zehn Jahre versechsfacht. Die Kreditzinsen sind niedrig und die Eigenkapitalquote liegt bei 16 Prozent. Daneben etablieren sich inzwischen auch eine Reihe von internationalen Private Equity Fonds, angezogen von Gesetzesänderungen und klaren Steuerverhältnissen und der Aussicht auf eine prosperierende Unternehmens- und Infrastruktur. „Bis vor ein paar Jahren hatten Türkei-Investoren ihre Büros außerhalb der Türkei. Jetzt ist alles so geregelt und investorenfreundlich, dass wir von Istanbul aus agieren können“, sagt Metin Ar, CEO von Garanti Securities (derweil droht offenbar ein Platzen der türkischen Immobilienblase – mehr hier).

Die International Finance Corporation, Abteilung der Weltbank für den privaten Sektor hat ihre größte Dependance in Istanbul aufgeschlagen und bearbeitet von hier aus 52 Länder in Süd- und Osteuropa, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika. Einen wesentlichen Anteil an Istanbuls Erfolg verbuchen auch die Lage als Drehscheibe zwischen Europa, Asien und Afrika sowie der logistische Anschluss vom Atatürk Airport, von dem aus Turkish Airlines immer mehr Ziele anfliegt.

Anleihen- und Aktienmarkt noch immer unterentwickelt

Trotzdem benötigt Istanbul noch Einiges an Mühen, um als das regionale Finanzzentrum aufzutreten. Der Inländische Anleihen- und Aktienmarkt ist noch unterentwickelt. Außerdem ist das Vertrauen in die türkische Justiz, trotz allgemeiner Euphorie der Investoren, als Schiedsrichter bei handels- und steuerrechtlichen Streitfällen noch nicht sehr ausgeprägt.

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