Wahlfach Kurdisch: Türkisches Bildungsministerium bringt Schulbuch heraus

Das türkische Bildungsministerium hat gut einen Monat nach dem Schulstart in der Türkei nun ein Schulbuch für den Kurdisch-Unterricht herausgebracht. Dieser wird seit diesem Schuljahr als Wahlfach angeboten. Das Lehrbuch enthält kurdische Namen, Fotos von bekannten kurdischen Persönlichkeiten und auch Abbildungen von Personen, die ein Palästinensertuch tragen.

Seit diesem Schuljahr gibt es an türkischen Schulen im Rahmen der „4+4+4“-Reform ab der fünften Jahrgangsstufe die Möglichkeit Kurdisch als Wahlfach zu belegen. Eigens hierfür hat das türkische Bildungsministerium nun erstmals ein Schulbuch zum Thema herausgebracht. Das berichtet die türkische Zeitung Sabah.

Entwickelt wurde das Schulbuch demnach in einer landesweiten Kooperation von Fakultäten für Kurdische Sprache und Literatur an den hiesigen Universitäten. Darüber hinaus seien Fachleute für Pädagogik des türkischen Bildungsausschuss beteiligt gewesen (generellen Unterricht auf Kurdisch schloss der Premier jedoch erst kürzlich erneut aus – mehr hier).

Sprachvermittlung mit Hilfe der kurdischen Kultur

Neben der Sprache an sich soll auch kurdisches Kulturgut vermittelt werden. Zur Sprache kommen etwa einst verbotene kurdische Namen wie Hewan, Rojin und Baran. Zur Beschreibung von Berufen, so informiert das Blatt, würden männliche Figuren mit dunklen Schnurrbärten verwendet. In einem Abschnitt über Termine und Kalender seien zudem Fotos des Sängers Ahmet Kaya und des Schauspielers Yılmaz Güney zu sehen. In einem anderen Abschnitt über die Jahreszeiten ist der Winter durch die Darstellung eines Kindes mit einem Schneemann beschrieben. Und dieser trage sogar ein traditionelles Palästinensertuch. Um sportliche Aktivitäten abzubilden, werden Kinder gezeigt, die Şemmamme tanzen. Auch das Thema Nevruz Feierlichkeiten findet Eingang. Schließlich wird auch auf Sehenswürdigkeiten wie das Schloss in Diyarbakır oder andere besuchenswerte Provinzen wie Adıyaman und Van verwiesen.

Gut zwei Wochen nach Schulstart zeigte sich der türkische Bildungsminister Ömer Dinçer noch enttäuscht über die bisherige Resonanz an dem neu angebotenen Wahlfach. Der Zuspruch, so der Politiker Anfang Oktober, sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Insgesamt hätten sich nur 25,000 Schülerinnen und Schüler für Sprachen und Dialekte als Wahlfach entschieden, darunter auch Kurdisch und Tscherkessisch (vor allem im Osten und Südosten des Landes hatte man eine starke Nachfrage erwartet – mehr hier).

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