Sturm auf Regierungsgebäude: Eskalation in Nahost erfasst den Libanon

Der Bürgerkrieg in Syrien droht nun auch den Libanon zu erfassen. Am Sonntag versuchten Demonstranten, das Büro des Regierungschefs in Beirut zu stürmen. Die Eskalation zeigt, dass der Bürgerkrieg in Syrien offenkundig nicht mehr auf das syrische Staatsgebiet zu begrenzen ist.

In Libanon ist es nach dem Begräbnis des am Freitag beim einem Bombenanschlag ums Leben gekommen, Syrien-kritischen Geheimdienstchefs Wissam al Hassan zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mehrere hundert Demonstranten versuchten, das Büro des Premierministers Najib Mikati zu stürmen. Sie forderten den Rücktritt des Premiers, dem die Demonstranten einen undurchsichtigen Kurs in der Syrien-Politik vorwarfen. Nachrichtenagenturen berichteten von heftigem Gewehrfeuer, offizielle libanesische Sprecher sagten, die Polizei habe in die Luft geschossen. Es soll mehrere Verletzte gegeben haben, unter anderem durch den Einsatz von Tränengas. Die Demonstranten trugen anti-syrische Fahnen der oppositionellen Zukunfts-Bewegung, einer sunnitischen Gruppierung. Auch Vertreter der christlichen Milizen sowie Islamisten mit schwarzen Flaggen waren an dem Marsch auf den Sitz des Premiers beteiligt. Die Protestierenden behaupten, dass der syrische Machthaber Baschar al Assad hinter der Ermordung al Hassans stehe.

Weil in der Region viele nationalstaatliche Grenzen aus einer gewissen Willkür gezogen wurden – insbesondere nach dem Abzug der britischen und französischen Kolonialmächte – sind es vor allem religiöse und Stammes-Zugehörigkeiten, die die Region instabil machen. Die einzelnen Gruppen solidarisieren sich weniger mit ihren Staaten, als mit den Glaubensbrüdern in der Region. Beobachter glauben, dass in der gegenwärtigen Eskalation in Syrien ein Funke reiche, um die ganze Region in Flammen aufgehen zu lassen. Die Türkei befindet sich seit einigen Monaten fast im Kriegzustand, aus Ankara kommen massive Drohungen gegen die Ausweitungen des Krieges auf das türkische Staatsgebiet (hier).

Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, er fürchte, dass es zu weiteren Anschlägen im Libanon kommen werde. Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für den Libanon herausgegeben (hier).

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