Drittes AKW für die Türkei: Frankreich und die USA könnten dabei sein

Die Planungen für den Bau mehrerer Kernkraftwerke in der Türkei schreiten unweigerlich voran. Wie der türkische Energieminister Taner Yıldız jetzt erklärt, könnten sich Frankreich und die USA an der Ausschreibung für das dritte AKW des Landes beteiligen.

Nach Aussagen von Energieminister Taner Yıldız seien die Verhandlungen rund um das zweite türkische Kernkraftwerk durchaus als Vorstufe zur Bieterrunde um den dritten Bau zu betrachten. Derzeit würden um den Bau der zweiten Anlage vier Länder konkurrieren. Zwei davon würden ausgewählt (die Entscheidung darüber soll noch in diesem Jahr fallen – mehr hier). Das berichtet die türkische Zeitung Milliyet.

„Wir haben den Bietern gesagt, dass sie noch eine Chance auf die dritte Anlage haben, falls sie für die zweite nicht ausgewählt werden. Darüber hinaus könnten dann Länder Interesse zeigen, die an den ersten zwei AKWs kein Interesse hatten“, so Yıldız weiter.

Frankreich deckt derzeit gut 74 Prozent seines Energiebedarfs über Kernenergie. Das Land gilt auf diesem Gebiet als sehr erfahren, konnte aber aus politischen Gründen an den Bieterverfahren für die ersten zwei Kernkraftwerke nicht teilnehmen (vor allem unter Sarkozy galt das Verhältnis als äußerst angespannt. Das soll jetzt anders werden – mehr hier). Die USA könnten derweil dem russischen Modell folgen und mit einem strategischen Partner am Bietprozess teilnehmen.

Vier Bieter im Bau um zweites türkisches AKW

Der Bau des ersten türkische Atomkraftwerks in Akkuyu erfolgt durch das staatlich organisierte russische Atomkraftunternehmen Rosatom. Für die zweite Anlage in der nördlichen Provinz Sinop stehen derzeit japanische, südkoreanische, chinesische und kanadische Unternehmen in der engeren Wahl. Über den Standort des dritten türkischen AKWs ist bisher keine Entscheidung gefallen. Spekulationen zufolge soll aber offenbar die Stadt İğneada in der Schwarzmeerregion nahe der bulgarischen Grenze in Betracht kommen.

Trotz des strikten Festhaltens am Atomkurs, würden die Prioritäten der Türkei jedoch auf erneuerbaren und nachhaltigen Energie liegen, wie der stelltvertretende türkische Energieminister Murat Mercan herausstellte. Diese seien der Schlüssel zur Entwicklung des Landes. „Der weltweite Energieverbrauch wird sich bis 2020 um 50 Prozent erhöhen. Hauptsächlich werden dafür die Entwicklungsländer verantwortlich sein. Doch es scheint nicht möglich, eine globale saubere Energie ohne Atomkraft zu bieten“, so die Ansicht des Politikers. Auch die Türkei brauche die Kernenergie, um die Abhängigkeit des Landes von ausländischen Energielieferanten zu senken.

Der Bau der ersten Antriebseinheit des Kernkraftwerks in Akkuyu soll im Jahr 2019 abgeschlossen sein, so die Prognose von Rauf Kasumov, stellvertretender Generaldirektor der eigens hierfür ins Leben gerufenen “Akkuyu NGS Elektrik Üretim A.Ş.”. Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum werde sich auch der Energiekonsum des Landes steigern. Alle zehn Jahre, so seine Schätzung, werde sich der Stromverbrauch der Türkei gar verdoppeln.

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