Trotz zunehmender Spannungen: 51 Prozent der Türken wollen auch in Zukunft keine Intervention in Syrien

Den verbalen türkischen Drohgebärden gen Syrien sind in den letzten Wochen nicht wenige militärische Antworten gefolgt. Ein Krieg ist nicht fern, warnte bereits Premier Recep Tayyip Erdoğan. Und dennoch: Die türkische Bevölkerung ist auch in der Zeit nach Assad absolut gegen eine Intervention im Nachbarland. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

Bereits seit 19 Monaten dauert der Bürgerkrieg in Syrien nun schon an. Zuletzt gab es auch Opfer auf türkischer Seite zu beklagen. Die Stimmung entlang der türkisch-syrischen Grenze ist hochgekocht. Nicht nur einmal kam es zum militärischen Säbelrasseln und sogar einer ersten, ernstzunehmenden Einmischung auf fremden Hoheitsgebiet (ein türkischer Kampfjet soll einen syrischen Helikopter auf syrischem Terrain abgedrängt haben – mehr hier).

Die Türkei steht am Rande eines Krieges, der sich in Anbetracht der jüngsten Ereignisse im Libanon schnell zu einem Flächenbrand ausweiten könnten (am vergangenen Sonntag kam es zu schweren Ausschreitungen – mehr hier). Während die türkische Politik, insbesondere Premier Erdoğan die meiste Zeit eher auf Konfrontation gebürstet scheint, lehnt das Gros der Bevölkerung jegliche Art von Intervention im vom Krieg zerrissenen Syrien ab. Das berichtet die türkische Hürryiet.

Auch nach Assads Ende kein Eingreifen von Seiten der Türkei

In einer aktuellen Umfrage sprachen sich 51 Prozent der Befragten dafür aus, dass die Türkei in Sachen Syrien auch nach der Ära von Machthaber Bashar al-Assad „unparteiisch oder unbeteiligt“ bleiben sollte. Durchgeführt wurde die Umfrage unter 1,500 Befragten in 18 Provinzen von TNS-Türkei im Namen des Zentrums für Wirtschaft und außenpolitische Forschungen (EDAM). Diese wurden gefragt: „Welche Rolle sollte die Türkei in einem post-al-Assad Syrien spielen?“ 18 Prozent der Befragten, so berichtet das Medium weiter, könnten sich hingegen vorstellen, dass die Türkei eine Art Mediatorenrolle zwischen den einzelnen Konfliktparteien einnehmen könnte, während sich sieben Prozent dafür aussprachen, dass die Türkei künftig wirtschaftliche Hilfe leiste.

Parallel zu dieser öffentlichen Umfrage führte das EDAM auch eine Expertenbefragung unter 266 Spezialisten für Außenpolitik durch, um so mögliche Unterschiede zur öffentlichen Meinung zu ermitteln. So würden die Fachleute mit 36 Prozent eher als die Bevölkerung dazu neigen, der Türkei eine Mediatorenrolle zuzugestehen. Doch schon an zweiter Stelle fand sich mit 26 Prozent auch bei ihnen der Aspekt der „Nicht-Beteiligung und Unparteilichkeit“. Ebenfalls höher war Unterstützung für eine mögliche UN oder NATO-Friedenstruppe. Dafür sprachen sich 21 Prozent aus.

Haltung der türkischen Bevölkerung ist konsequent

Seit dem syrischen Granateneinschlag im türkischen Grenzdorf Akçakale am 3. Oktober dieses Jahres haben sich die Spannungen zwischen Ankara und Damaskus zunehmend verschärft. Eine ähnliche Umfrage, die im Juni dieses Jahres von gleicher Stelle durchgeführt wurde, zeigte, dass die Mehrheit der Türken gegen eine direkte militärische Intervention gegen Präsident Bashar al-Assad waren. 56,2 Prozent der Befragten gaben an, gegen eine Intervention zu sein, wohingegen sich 11,3 Prozent für ein Eingreifen aussprachen. Bestätigt wurde diese Tendenz im vergangenen September durch eine Untersuchung der US-amerikanischen Stiftung German Marshall Fund of the United States (GMF) (Gut 57 Prozent der vom US-Forschungsinstitut befragten Türkinnen und Türken lehnten eine militärische Intervention der Türkei kategorisch ab – mehr hier).

Hier geht es zur vollständigen Umfrage.

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