Angst vor dem Flächenbrand: Libanesische Armee greift durch

Die Gewalt im Libanon spitzt sich seit der Ermordung des Geheimdienstchefs Wissam al Hassan weiter zu. Militär und Polizei intervenieren, um die öffentliche Ordnung sicherzustellen. Die türkische Regierung sucht unterdessen in Syrien nach alternativen diplomatischen Möglichkeiten, nachdem auch die Kooperation zwischen den westlichen Mächten und der Freien Syrischen Armee kriselt.

Der syrische Bürgerkrieg scheint auf den kleinen Nachbarstaat Libanon überzugreifen. Nachdem am Wochenende in Beirut heftige Proteste gegen die libanesische Regierung in Gewalt ausuferten, kommt es seitdem immer wieder zu schweren Gefechten. Regierungsgegner werfen der libanesischen Staatsspitze vor, vom syrischen Assad- Regime und der affiliierten Hisbollah abhängig zu sein und fordern ihren Rücktritt.

Gestern kam es im sunnitischen Viertel Tariq al-Jadida in Beirut zu Gefechten zwischen sunnitischen Regierungsgegnern und den Sicherheitskräften, bei dem ein Zivilist getötet wurde, berichtet die Hürriyet. Es wird bereits befürchtet, dass der syrische Bürgerkrieg droht, auch den Nachbarstaat zu befallen. Der Libanon steht durch den Konflikt zwischen seinen ethnischen Gruppen (mehr hier) seit Jahren unter Spannung.

Noch haben die libanesischen Sicherheitskräfte die Lage im Land unter Kontrolle, schreibt die libanesische As-Safir. Zu einer ähnlichen Bewertung käme auch die türkische Regierung. Größeren Grund zur Besorgnis macht allerdings die Flüchtlingssituation im türkischen Grenzgebiet (mehr hier), sowie die ähnliche Situation im Libanon mit der wachsenden Zahl von 80.000 Syrern.

Erdoğan setzt auf iranischen Einfluss in Syrien

Die türkische Regierung versucht jetzt, den Syrien-Konflikt durch diplomatische Gespräche mit Syriens Partnern Russland und Iran zu beeinflussen. So traf sich Anfang der Woche der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan mit Irans Präsidenten Mahmoud Ahmadinedshad am Rande des Regionalgipfels der Economic Cooperation Organization. Man setzt auf den iranischen Einfluss in Syrien einen Waffenstillstand zu erreichen.

Große Hoffnungen werden von der Türkei auch in Russlands Präsidenten Vladimir Putin gesetzt. Trotz des abgefangenen syrischen Flugzeugs aus Moskau sind die türkisch-russischen Beziehungen wieder stabil und man erwartet den russischen Präsidenten am 3. Dezember in Ankara.

Infiltration der Freien Syrischen Armee durch Al-Qaida

Die Türkei sieht sich gegenwärtig durch die unmittelbare Nachbarschaft mit Syrien noch einer anderen beunruhigenden Entwicklung ausgesetzt. USA und Europa befürchten eine Infiltration der Freien Syrischen Armee (FSA) durch Al-Qaida. Sollte der Westen seine Unterstützung der FSA einschränken, könnte das dazu führen, dass sich die Armee Al-Qaida zuwendet. Zaman berichtet von den Befürchtungen, Waffenlieferungen könnten am Ende in die Hände des Terrornetzwerkes geraten. Die CIA sei seit längerem daran, mit Kräften innerhalb der syrischen Opposition in der Türkei zu verhandeln, um herauszufinden, wen sie unterstützen.

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