Platz 71 von 185 im Weltbank-Ranking: Türkei schafft es kaum Investoren zu locken

Während die Millionenstadt Istanbul floriert, sieht es im Rest des Landes offenbar weit weniger rosig aus. Insgesamt kann die Türkei nur Rang 71 von 185 belegen, wenn es darum geht, das Geschäftsklima zu verbessern und Investoren ins Land zu holen. Damit liegt die Türkei noch hinter Aserbaidschan und Trinidad. Das geht aus dem „Doing Business Ranking“ der Weltbank hervor.

Keine Veränderung im aktuellen Weltbank Bericht “Doing Business 2013 Smarter Regulation for Small and Medium-Size Enterprises” für die Türkei. Wie schon im Jahr zuvor liegt das Land bei der Bewertung seines Geschäftsklimas auch diesmal auf Rang 71 von 185. Das berichtet derzeit die türkische Hürriyet.

Bürokratie: Türkei hat sich nur begrenzt weiterentwickelt

„Die türkische Regierung zeigt weiterhin Entschlossenheit, die Schwierigkeiten, die Unternehmen bei der Expansion und der Niederlassung in der Türkei haben, aus dem Weg zu räumen“, lobt die Weltbank. Allerdings: Im Gegensatz zu den Ländern mit aufstrebenden Wirtschaftsmärkten habe sie sich nur begrenzt entwickelt (derweil plange die Europäische Investitionsbank Sorgen, dass die Türkei in Anbetracht der Krise in Syrien stabil bleibe – mehr hier). Voran geht es für die Türkei dennoch: So habe das Land etwa im Bereich der Baugenehmigungen wichtige Fortschritte erzielen können. Hier habe, so schreibt das Blatt weiter, die Regierung für wesentliche Vereinfachungen gesorgt. Daneben ist der Erhalt einer Baugenehmigung insgesamt günstiger geworden. Im Einzelranking zum “Erhalt von Baugenehmigungen” sieht das allerdings ganz anders aus. Hier schafft es die Türkei nur auf dem 142. Platz. Ein weiterer, positiver Aspekt: „Darüber hinaus“, so heißt es in dem Bericht, „hat die Türkei die Durchsetzung von Verträgen erleichtert, indem sie ein neues Zivilprozessrecht eingeführt hat.“ Zusammengefasst heißt das jedoch: Das größte Problem der Türkei ist und bleibt weiterhin ihre Bürokratie.

201 Reformen: Singapur führt das Weltbank-Ranking an

Mittlerweile untersucht die Weltbank nun schon im zehnten Jahr, wie sich das Geschäftsklima in rund 180 Ländern der Welt verändert hat. Waren es im vergangenen Jahr 183 Nationen, stieg deren Zahl diesmal auf 185 an. Auf Position eins hat es 2012 erneut Singapur mit insgesamt 201 Reformen geschafft, die alleinig der Verbesserung des Geschäftsklimas dienten. Diesen Stand hält das Land bereits zum siebten Mal in Folge. Ihm nach folgen Hong Kong, China, Neuseeland, die USA, Dänemark, Norwegen, England, Südkorea, Georgien und Australien.

Der Bericht der Weltbank lobt übrigens auch das krisengebeutelte Griechenland (hier sind weitere Milliardenhilfen geplant – mehr hier). Das Land steigt im Ranking der Weltbank von Platz 100 auf Platz 78 in diesem Jahr. Die Umsetzung einiger Arbeitsmarktreformen habe die Rahmenbedingungen für Neugründungen verbessert. Die Zeitspanne für Baugenehmigungen wurde verkürzt, es gibt mehr Transparenz und Schutz für Investitionen und die Auflösung insolventer Firmen wurde vereinfacht. Auch andere von der Schuldenkrise geplagte Länder erhalten Zuspruch: Italien, Portugal und Spanien haben alle ihre Hürden für Unternehmensgründungen abgebaut. Die Wirkungskraft positiver Mitteilungen, die Finanzmärkte freundlich zu stimmen und die Zinslast der Krisenländer zu senken, dürfte der Bericht der Weltbank jedoch verfehlt haben. Die Rating-Agentur Moody’s hat zu Spanien eine ganz andere Meinung: Die Kreditwürdigkeit von fünf weiteren autonomen Regierungen wurde heute herabgestuft. Dies dürfte Investoren nicht gerade überzeugen, in einer dieser Regionen ein Geschäft zu eröffnen

Polen hat von allen Ländern den größten Sprung gemacht und seine Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen im Eigentumsrecht und Steuerrecht gesteigert, wird aber sein Defizitziel für 2012 verfehlen. Osteuropa ist neben Zentralasien die Region mit den meisten wettbewerbsfördernden Reformen.

Hier geht es zum kompletten Ranking.

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