Blick gen Osten: Die Türkei baut ihren Exportmarkt weiter aus

Die Türkei versucht, ihr Leistungsbilanzdefizit durch einen wachsenden Exportmarkt auszugleichen. Dabei orientieren sie sich vermehrt in Richtung Naher und Mittlerer Osten. Die Zentralbank sieht optimistisch in die wirtschaftliche Zukunft. Doch diesen Optimismus teilt nicht jeder.

Die türkische Regierung versucht, das Leistungsbilanzdefizit in den Griff zu kriegen. Helfen soll hierbei der Ausbau des Exports, vor allem zu den Märkten des Nahen und Mittleren Ostens wie beispielsweise Irak, sagt der Chef der türkischen Zentralbank Erdem Başçi in einem Interview mit der Financial Times.

Obwohl das Wachstum vom letztem auf dieses Jahr um acht auf drei Prozent gefallen ist, liegen die bis August erwirtschafteten 100 Milliarden US-Dollar 13 Prozent höher als im Vorjahr.  „Mit dem Ausbau des Exports können wir auch die inländische Nachfrage steigen lassen ohne dass das Außenhandelsdefizit weiter ansteigt“, sagt er in diesem Zusammenhang

Nach wie vor ist die EU Haupthandelspartner mit 40 Prozent, aber die Märkte im Irak, vor allem im kurdischen Norden, aber auch Russland und Afrika gewinnen zunehmend an Bedeutung. „Hier gibt es eine sehr, sehr schnelle Entwicklung“, beurteilt er die gegenwärtige Marktsituation. Irak könnte Deutschland als Hauptexportland ablösen. Das irakische Exportvolumen der ersten acht Monate liegt mit 6,8 Milliarden US-Dollar deutlich über dem Volumen von 2010 mit sechs Milliarden US-Dollar. Noch beeindruckender sind die Exportzahlen mit Iran. Bedingt durch die internationalen Sanktionen, sorgte insbesondere der Goldhandel für ein beachtliches Volumen von 8,5 Milliarden US-Dollar (und dieser lässt auch das Leistungsbilanzdefizit schrumpfen – mehr hier). Allerdings sorgen amerikanische Bedenken und der eingeschränkte türkische Goldvorrat für begrenzte Hoffnung in die Nachhaltigkeit.

Erdem Başçis Pläne sind jedoch vom Goldmarkt unabhängig. Er sieht die Stabilität der türkischen Wirtschaft (es gibt jedoch auch Stimmen, die warnen: Ohne Innovation gebe es kein nachhaltiges Wachstum – mehr hier). Im Gegensatz zu anderen Schwellenländern sei die Türkei in der Lage, die Finanzkrise zu überstehen, trotz Leistungsdefizit von sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieses soll längerfristig auf fünf Prozent reduziert werden. Ebenso sehen seine Pläne vor, die Inflationsrate von gegenwärtig neun Prozent auf fünf Prozent zu reduzieren. Dies würde die inländischen Kapitalmärkte stärken und Türkeis Abhängigkeit von ausländischen Investoren verkleinern.

Sein Optimismus wird von anderer Seite her deutlich gedämpft. Zur Veröffentlichung des Inflationsreports der Zentralbank stellen einige Analysten seine Pläne deutlich in Frage. Burcu Unuvar von Is Investment merkte an, dass die Zentralbank ihre Inflationsprognosen für dieses Jahr wegen der Energiepreise (mehr hier) erst von 6,2 auf 7,4 Prozent revidiert hat. Für das letzte Quartal sei eher mit einem leichten Rückgang zu rechnen. Sie sieht die Zentralbank als „aggressiv hoffnungsvoll“ bei ihren Prognosen für das kommende Jahr.

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