Schlimmer Verdacht: New Yorker Polizei soll für das Aufhetzen von Muslimen bezahlt haben

Ein bezahlter Informant der New Yorker Polizei soll angeblich damit beauftragt worden sein, Muslime zu „ködern“, damit diese dann aufrührerische Dinge von sich gäben. Der Mann hatte offenbar ein Doppelleben geführt, währenddessen er Fotos in Moscheen machte und die Namen unschuldiger Menschen sammelte, die Studiengruppen über den Islam besuchten.

Der Fall des erst 19-jährigen Shamiur Rahman, der sich der Associated Press offenbart hat, zieht derzeit weite Kreise durch die internationalen Medien. Der junge US-Amerikaner mit Abstammung aus Bangladesch, der nun selbst seine Tätigkeit als Polizeiinformant offengelegt hat, erklärte dem Medium, dass die Beamten ihn dazu aufgefordert hätten eine Strategie anzuwenden, die intern als „create and capture“ bezeichnet worden sei. Einfach zusammengefasst sei es darum gegangen, die Leute in ein Gespräch über den Jihad oder Terrorismus zu verwickeln und deren Reaktion anschließend an das NYPD zu übermitteln. Für diesen Job soll er monatlich nicht nur 1000 US-Dollar erhalten, sondern auch eine gewisse Reputation bei den Polizisten zurückerlangt haben. Denn zuvor war er wegen einer Reihe von Festnahmen auf Grund von Marihuanabesitzes negativ aufgefallen.

Jeder ist verdächtig: Straßentheater in New York

„Wir brauchen dich, damit du ihnen vorspielst einer von ihnen zu sein. Es ist ein Straßentheater“, soll die Polizei nach Angaben von Rahman zu ihm gesagt haben. Eine Arbeit, von der er mittlerweile glaubt, dass sie nicht im Einklang mit der US-amerikanischen Verfassung gewesen sei. Denn kurz nachdem er sich einem engen Freund und der Presse offenbart hätte, habe er auch von seinem Kontaktmann bei der New Yorker Polizei keine Nachrichten mehr erhalten. Auch die Telefonnummer von „Steve“ gab es plötzlich nicht mehr (auch FBI-Ermittler bedienen sich offenbar Stereotypen – mehr hier).

Doch AP, so berichtet auch die türkische Zaman, glaubte dem jungen Mann. Das Medium forschte nach. Sah sich die Textnachrichten zwischen Rahman und der Polizei an. Auch Fotos, die er an die Beamten sandte, bekamen die Journalisten zu Gesicht. Freunde stimmten zu, dass er auf bestimmten Veranstaltungen gewesen sei. Und auch von ehemaligen NYPD-Mitarbeitern sei ihnen eine von Rahman beschriebene Vorgehensweise bestätigt worden. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gehören Informanten wie er offenbar zum zentralen Bestandteil der Polizeiarbeit, um so das Leben in den muslimischen Nachbarschaften zu überwachen (auch elf Jahre später scheint die Gesellschaft die Ereignisse nicht in den Griff bekommen zu haben – mehr hier). Neben Video- oder Nummernschildüberwachung gäbe es auch so genannte „mosque crawlers“, die weitertrügen, was die Imame in den Moscheen predigten und wer an den Veranstaltungen teilnehme – ohne dass ein Verbrechen vorläge.

Informant wurde nie wirklich „fündig“

Rahman selbst soll im vergangenen Januar dazu gekommen sein. Nach seiner dritten Festnahme wegen Drogenmissbrauchs, weswegen er ernsthafte strafrechtliche Konsequenzen fürchtete. Dann die Wende, als ihm ein Zivil-Beamter in einem Gefängnis in Queens, wo er auch aufgewachsen war, das unmoralische Angebot unterbreitete. Schon im nächsten Monat soll er dann auf der Gehaltsliste der Polizei gestanden haben. Ein Job, der ihm nach eigenen Angaben heute zutiefst leid tut. Bewusst habe er Dinge falsch verstanden und weitergegeben. Schließlich habe er ja verdienen wollen. Doch eigentlich sei ihm nie etwas Verwerfliches untergekommen (Muslime gehören aktuell zu den unbeliebtesten Minderheiten – mehr hier).

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