Deutschland braucht Bildung, keine Integrationspreise

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer verleiht an acht Preisträger die Integrationsmedaille, darunter sind auch vier Frauen mit türkischem Hintergrund. Viel Aufregung wird darum nicht gemacht, denn Auszeichnungen für Integration sind längst zur Massenware geworden.

Kaum hat Sozialministerin Aygül Özkan den Niedersächsischen Integrationspreis 2012 verliehen, da zieht nun auch die Integrationsbeauftrage der Bundesregierung Maria Böhmer mit einer Auszeichnung nach: Sie verlieh am Mittwoch an acht Preisträger – darunter vier Türkinnen – die Integrationsmedaille. „Sie stärken den Zusammenhalt in unserem Land“, sagte Böhmer.

Es scheint, dass allenthalben Preise verteilt und Events veranstaltet werden, die die Integration in Deutschland voranbringen sollen. Es ist richtig, dass gelungene Integration viel zu lange, viel zu wenig gewürdigt wurde. Doch allein dadurch lassen sich die Probleme nicht lösen.

In Großstädten über 500.000 Einwohnern wächst bereits jedes zweite Kind in einer Familie mit Migrationshintergrund auf. Diese Kinder sind statistisch viel stärker von Armut, Arbeitslosigkeit und damit von einer schlechteren Ausbildung betroffen als ihre Klassenkameraden ohne Migrationshintegrund. Das Geld, das die Politik ausgibt, um symbolische Integrationsevents aufzuziehen, gehört besser in die Schulbildung und in die frühkindliche Betreuung gesteckt.

Wundersame Zahlenrevolution ermöglicht Integrationsindustrie

Angefangen hat der Schub für die Integrationindustrie mit der Veröffentlichung des Mikrozensus 2005, die eine Zahlenrevolution hervorbrachte: Vorher galt etwa jeder zehnte Mensch als Ausländer, inzwischen besitzt jeder fünfte Bürger einen Migrationshintergrund in Deutschland. Integration ist längst zur Geldmaschine geworden, für manch einen gar zum Sprungbrett in die Politik. Die Scharen an Integrationsbeauftragten, -sprechern, -helfern, -lehrern, -betreuern, -forschern und -beiräten kamen aus dem fruchtbaren Boden hervor und alle wollen bezahlt werden. Sie beackern deshalb unermüdlich ein Thema, das wie ein schlechter Ohrwurm einfach nicht mehr verschwinden will.

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