US-General mahnt zur Vorsicht: Ursprung der syrischen Granaten auf die Türkei unklar

US-Generalleutnant Mark Hertling warnt vor voreiligen Schlüssen im türkisch-syrischen Grenzkonflikt. Der Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte in Europa gab im Gespräch mit dem privaten Fernsehsender NTV bedenken, dass derzeit nicht klar sei, wer die Granaten aus Syrien in Richtung Türkei abfeuere. Unterdessen ist die zugesicherte Waffenruhe de facto obsolet.

„Wir sind nicht sicher, ob diese Granaten von der syrischen Armee, von Rebellen, die die Türkei in den Konflikt ziehen wollen oder von der PKK stammen“, so Mark Hertling. Weder die NATO noch die US-Truppen würden in die zunehmend komplexer werdenden Auseinandersetzungen rund um den Bürgerkrieg in Syrien hineingezogen werden. Derzeit, fährt er fort, würde man mit der Türkei lediglich Informationen austauschen und die Lage in Syrien beobachten.

Syrische Truppen halten sich offenbar nicht an Waffenruhe

Derweil hält die Gewalt in Syrien trotz der angekündigten Waffenruhe zum Opferfest unvermindert an. Wie von Seiten der Oppositionellen berichtet wird, soll die syrische Luftwaffe Gebiete im Umland der Hauptstadt Damaskus angegriffen haben. Gegen die Ortschaften Harasta, Samalka und Arbin sollen Attacken geflogen worden sein. In den vergangenen Tagen von Eid al-Adha starben nach Angaben der Aktivisten fast 300 Menschen. Für den UN-Sondergesandten für Syrien Lakhdar Brahimi, ist der Bruch der Waffenruhe aber offenbar kein Grund das Handtuch zu werfen. Wie UN-Diplomaten der AFP berichteten, werde erwartet, dass er schon im November mit neuen Vorschlägen an den UN-Sicherheitsrat herantrete, um den syrischen Machthaber Bashar al-Assad und die syrische Opposition an einen Tisch zu bringen. Bereits in der kommenden Woche wird der ehemalige algerische Außenminister in China und Russland zu Gesprächen über die Krise in Syrien erwartet.

Seit dem 3. Oktober dieses Jahres hatte sich die Situation deutlich verschärft. Beim Einschlag einer syrischen Granate in das türkische Grenzdorf Akçakale in der südöstlichen Provinz Şanlıurfa kamen fünf türkische Zivilisten ums Leben. In den darauffolgenden Tagen kam es täglich zu Grenzverletzungen, die umgehend vom türkischen Militär beantwortet wurden. Seither gibt es immer wieder Vorfälle dieser Art. Vor nicht ganz drei Wochen kündigte schließlich der Generalstabschef der Türkischen Streitkräfte, Necdet Özel, an, dass das Militär auf künftige Attacken aus Syrien schärfer reagieren wolle (die Streitkräfte entlang der Grenze wurden verstärkt – mehr hier). Nur zwei Tage später dann der bisherige Höhepunkt: Erstmals mischte sich das türkische Militär auf syrischer Seite direkt in die Kampfhandlungen ein und drängte einen syrischen Helikopter ab, der die Grenzstadt Azmarin bombardieren sollte (zwei Kampfjets stiegen als Warnung auf – mehr hier).

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