Opfer von Mölln-Anschlag: „Ich habe kein Vertrauen in den deutschen Staat“

Ibrahim Arslan hat bei dem fremdenfeindlichen Anschlag von Mölln als Kind drei Menschen aus seiner Familie verloren. Dass so etwas in Deutschland überhaupt möglich ist, hatte ihn tief erschüttert. Ausschlaggebend dafür, dass er nun gar kein Vertrauen mehr in den deutschen Staat hat, seien jedoch erst die NSU-Morde gewesen.

Bei dem Anschlag von Mölln kamen 1993 seine Großmutter Bahide Arslan, seine Schwester Yeliz Arslan und seine Cousine Ayşe Yılmaz ums Leben. Der heute 27-Jährige Ibrahim Arslan habe sich nach dem Anschlag als Kind von den Behörden allein gelassen gefühlt, erzählt er auf der Pressekonferenz der Türkischen Gemeinde Deutschland in Berlin. Er hatte sich noch kurz vor der Explosion retten können. Gemeinsam mit Barabara John, Ombudsfrau der NSU-Opfer und deren Hinterbliebenen, Sebastian Edathy und TGD-Vorsitzendem Kenan Kolat äußerte er sich zu den Entwicklungen, die seit der Aufdeckung der NSU-Morde vor einem Jahr ereignet haben.

Damals habe er nicht fassen können, wie so etwas passiert sein könne. Sein „Vertrauen in den deutschen Staat war erschüttert“, so Arslan. Das Bekanntwerden der NSU-Morde habe ihn jedoch aus der Bahn geworfen. „Die Aufdeckung der NSU-Morde hat mein Vertrauen komplett vernichtet“, erklärt er. Auch die Entschuldigung von Bundeskanzlerin Merkel findet er unzureichend. Dem NSU-Untersuchungsausschuss stehe er skeptisch gegenüber. Sebastian Edathy, Vorsitzender des Ausschusses, versicherte ihm: „Ich kann nicht versprechen, dass wir alles lückenlos aufklären. Aber wir werden alles dafür tun.“

Das Bündnis gegen Rassismus ruft am 4. November, an diesem Tag wurde die NSU vor einem Jahr bekannt, zum Gedenken an die Opfer auf.

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