Zu wenig Schutz vor der PKK? Türkische Lehrer fürchten um Sicherheit ihrer Schüler

Die Anschläge auf Schulen im Osten der Türkei durch die Terrororganisation PKK sowie Entführungen von Kindern und Erwachsenen nehmen zu. Und mit ihnen steigen auch die Sorgen der Lehrkräfte. Sie fürchten, dass ihre Einrichtungen nicht genügend vor den Angriffen geschützt werden.

Lehrerkräfte im Osten und Südosten der Türkei fürchten auf Grund der zunehmenden Angriffe durch die Terrororganisation PKK um die Sicherheit ihrer Schülerinnen und Schüler. Das berichtet die Journalistin Vercihan Ziflioğlu für die türkische Zeitung Hürriyet.

PKK will Menschen bewusst von Bildung fernhalten

Unter dem Deckmantel der Anonymität hätten drei Lehrer aus der Provinz Van mit dem Blatt gesprochen und kritisiert, dass ihnen nicht genügend Schutz geboten würde. Einer von ihnen, Selim, unterrichte bereits seit fünf Jahren in Van und habe auf Grund der stetig steigenden Gefahren sogar über eine Versetzung nachgedacht – wie viele seiner Freunde übrigens auch. Diesen Gedanken dann aber wieder verworfen und beschlossen, dem Druck der PKK standzuhalten. „Lehrer werden in diesem Land nicht wertgeschätzt“, so sein Vorwurf. „Die Auswirkungen des Terrors spiegeln sich an uns wieder. Der Staat beschützt uns nicht.“ Nach Ansiht von Selim wolle die Terroroganisation die Menschen in dieser Region bewusst Bildung vorenthalten. Denn genau diese Unwissenheit würde die Leute ja in die Arme der PKK treiben (einem US-Bericht zufolge besteht die PKK zur Hälfte aus Kindern – mehr hier).

Als Lehrer verfolgten er und seine Kollegen natürlich ganz andere Ziele. Bildung und Brüderlichkeit stünden hier im Vordergrund. Die meisten seiner Schüler, so fährt Selim fort, seien kurdischer Herkunft und jedes von ihnen wie sein eigenes Kind.  „Diese Kinder können wir nur für uns gewinnen, wenn wir keine Diskriminierung zulassen. Es sind brillante Kinder, die wir beschützen müssen.“

Lehrer fordern umgehend weitere Sicherheitsmaßnahmen

Vor allem die jüngsten Entführungen würden den Lehrern Sorge bereiten. Mehrmals am Tag würden sie ins Nachbardorf fahren und dort Patrouille fahren, um weitere Fälle zu verhindern. Ekrem, ein weiterer Lehrer, der seit drei Jahren in Van unterrichtet, sowie Reşat, der seit zwei Jahren vor Ort ist, bringen es im Gespräch mit dem Blatt auf den Punkt. Sie fordern zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen – und das umgehend. „Die Zahl der Entführungen ist gestiegen. Ich bezweifle, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen ausreichend sind“, so Reşat.

In den letzten Tagen und Wochen gab es immer wieder Berichte von entführten Lehrern und Schülern. Andere Einrichtungen wurden mit Brandbomben attackiert. Stets vermuteten die Medien dahinter das Werk der PKK, die damit offenbar die Forderung nach Unterricht in kurdischer Sprache durchsetzen wolle (erst kürzlich wurde das vom türkischen Premier erneut ausgeschlossen – mehr hier).

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