Türkei und Irak unterschreiben Erdölpakt

Die türkische und die Irakische Regierung haben einen Vertrag über Erdölbohrechte im Irak unterzeichnet. Weitere Verhandlungen über zukünftige Bohrungen sind bereits im Gange. Die Bedeutung des Iraks als Handelspartner der Türkei gewinnt damit immer mehr an Bedeutung.

Das staatliche Erdölunternehmen Türkiye Petrolleri Anonim Ortaklığı (TPAO) und die irakische Regierung unterschrieben am vergangenen Freitag einen Vertrag über die Rechte an 40 Erdölbohrungen mit einem Gesamtwert von 350 Millionen US-Dollar. Das berichtet die türkische Hürriyet. Die Erdölquellen befinden sich in der südlichen Provinz Basra. Außerdem stünde die Türkei in Verhandlungen über die Erschließung von weiteren 7.000 Quellen und einer türkisch-irakischen Kooperation in der Forschung nach weiteren Quellen, kündigte der türkische Energieminister Taner Yildiz auf einer Pressekonferenz am Freitag an. „Wir sind im ganzen Irak vertreten, ohne zwischen dem Norden, Süden, Osten oder Westen zu unterscheiden“, sagte Yildiz (insgesamt will der türkische Premier die Handelsbeziehungen mit der muslimischen Welt stärken – mehr hier).

Turkish Petroleum International Company Ltd., ein Schwesterunternhemen der TPAO hat bereits fünf Bohrungen in den Ölfeldern von Basra abgeschlossen. Ebenso verhandelt das türkische Unternehmen Genel Energy mit der kurdischen Regionalregierung über Lizenzen nach weiteren Erdölquellen zu forschen. Auch der Ölimport aus dem Irak gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die türkische Erdölraffinerie Tüpraş importierte im September 115,447 Barrel pro Tag. Durch den Rückgang des iranischen Erdölimports innerhalb der letzten Monate wurde der Irak zum wichtigsten Erdölimporteur für die Türkei.

Irak ist zweitgrößter Handelspartner nach Deutschland

„Die wirtschaftlichen Aspekte machen die Türkei für den Irak zu einem wichtigen Partner mit großem Zukunftspotential“, zu dem Schluss kommt die Studie „Die Golfstaaten – Das ’neue Herz‘ des Nahen und Mittleren Ostens?“ des Deutschen Orient-Instituts. Dabei pflegt die türkische Regierung den Kontakt zu allen Akteuren im Irak mit dem Ziel der nationalen Einigkeit im Nachbarland. Insbesondere die neue Verbindung zu der kurdischen Regierung im Norden ist für die Türkei von größter Wichtigkeit. Das Handelsvolumen der beiden Länder betrug annähernd zwölf Milliarden US-Dollar im Jahr 2011. Mehr als die Hälfte davon stammt aus Geschäften in der Kurdenregion. Ein möglicher Grund: 55 Prozent der ausländischen Unternehmen in dieser Region entstammen der Türkei. 80 Prozent der Importe dieser Region kommen aus der Türkei. Irak ist der zweitgrößte Handelspartner der Türkei nach Deutschland (das türkische Parlament hat unterdessen erneut einen Einmarsch in den Nordirak zur Bekämpfung der PKK erlaubt – mehr hier).

Mit dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zum Irak führt die Türkei möglicherweise einen globalen Trend an. Am Montag ermunterte Tony Blair in einer Rede vor britischen Geschäftsleuten zum Außenhandel mit dem Irak auf. Das berichtete der Guardian. Er nannte den Irak die schnellst wachsende Volkswirtschaft mit neun Prozent Wirtschaftswachstum für das kommende Jahrzehnt. „Im letzten Monat überholte der irakische Erdölexport den iranischen“, nannte Blair dafür als gegenwärtiges Beispiel.

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