Obama gewinnt: Türkisch-US-amerikanische Beziehungen könnten hektisch werden

Barack Obama ist in der vergangenen Nacht erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Im McCormack Center in Chicago bedankte sich der 51-Jährige bei seinen Anhängern für vier weitere Jahre im Weißen Haus. Die Amerikaner schenkten ihm überraschend deutlich ihr Vertrauen. Doch was bedeutet seine Wiederwahl für die türkisch-US-amerikanischen Beziehungen?

Der türkische Journalist Serkan Demirtaş war in der vergangenen Nacht live in Chicago vor Ort, als Barack Obama vor Tausende jubelnde Anhänger trat. Der Beobachter ist überzeugt: Die Beziehungen zwischen seinem Heimatland und den Vereinigten Staaten werden inmitten der andauernden regionalen Krisen wie etwa im benachbarten Syrien oder in Anbetracht des kontroversen Atomkurses des Irans in eine „neue, intensive und hektische Phase“ eintreten. Das berichtet die Zeitung Hürriyet.

Zweite Amtszeit: Mehr außenpolitisches Engagement erhofft

Obschon sich Obama seit seinem Amtsantritt außenpolitisch eher zurückgehalten habe und sich diese Politik im Großen und Ganzen voraussichtlich auch nicht ändern werde, gebe es jedoch die Hoffnung, dass sich der wiedergewählte US-Präsident in seiner zweiten Amtszeit stärker in globalen Angelegenheiten engagieren werde. Bevor das passiere, müsse er sich allerdings auch um eine neue außenpolitische Figur bemühen und die bisherige Außenministerin Hillary Clinton ersetzen.

Doch wer könnte diesen Job wohl übernehmen? Nach Ansicht von Demirtaş stünden für den diplomatischen Top-Posten gleich mehrere Kandidaten zur Verfügung. Da wäre zum einen John Kerry, US-Senator von Massachusetts. Oder etwa Susan Rice, US-amerikanische Außenpolitikerin und derzeitige Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen. Gerade für Kerry, so der Journalist, stünden die Chancen gut.

Ricciardone: Türkei in der Syrienfrage nicht allein

Dass sich die türkisch-US-amerikanischen Beziehungen im Grundsatz nicht ändern werden, das signalisierte Francis Ricciardone, US-Botschafter der Vereinigten Staaten in Ankara, bereits vor dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses. „Die Zusammenarbeit der USA mit der Türkei wird weitergehen, egal, wer die Präsidentschaftswahlen gewinnt“, zitiert ihn die Hürriyet während einer Veranstaltung am Istanbuler Haydarpaşa Hafen, den die US-Botschaft als „Wahl-Basis“ für die Nacht auserkoren hatte. Die Türkei, so stellte er heraus, sei in der Syrienfrage nicht allein. Eine militärische Intervention schloss er weiterhin aus (darüber hinaus versucht man deeskalierend zu wirken – mehr hier).

„Wie die Türkei ist die USA nicht an einer Intervention interessiert. Wir sind beide zutiefst betrübt über die Situation in Syrien.“ Sowohl Obama als auch Romney hätten während ihres Wahlkampfes angekündigt, dass sie sich nicht von den Menschen dort abwenden würden. Große Veränderungen in der Außenpolitik, fährt Ricciardone fort, seien also nicht zu erwarten. Die Türkei stünde jedenfalls nicht alleine da. Die internationale Gemeinschaft sei an ihrer Seite. „Der einzige, der hier isoliert ist, ist Präsident Bashar al-Assad.“ (der Mord an US-Botschafter Christopher Stevens hatte die Lage in der Region im September massiv verschärft – mehr hier)

Obama sieht Fortschritt für die amerikanische Gesellschaft

In mehreren so genannten Swing States wie Ohio konnte sich Barack Obama bei den Wahlen in den USA gegen seinen Herausforderer Mitt Romney durchsetzen. Bisher kommt Obama damit schon vor Auszählung aller Stimmzettel auf 303 von 270 notwendigen Wahlmännern und -frauen, Mitt Romney auf lediglich 202. Damit verfügt er bereits jetzt über die Mehrheit im so genannten  Electoral College.

Kurz nach der Entscheidung meldete sich Barack Obama bereits über Twitter. „Vier weitere Jahre”, schrieb er und postete es mit einem Foto von ihm und Michelle. Später bedankte er sich bei seinen Wählern und Unterstützern. Mitt Romney hingegen zeigte zunächst keine Reaktion. Erst Stunden später gratulierte er Barack Obama zum Sieg.

In seiner Siegesrede in Chicago sprach Obama von einem Fortschritt für die amerikanische Gesellschaft: „Die Aufgabe unsere Gemeinschaft zu perfektionieren kommt voran. Wir sind eine amerikanische Familie und wir wachsen und fallen gemeinsam als eine Person und als eine Nation“, so Obama. Sein Herausforderer Mitt Romney habe sich so sehr gewünscht die Hoffnungen der Amerikaner zu erfüllen und das Land in eine andere Richtung zu führen: „Aber die Nation hat einen anderen Präsidenten gewählt und deshalb werde ich für ihn und diese große Nation beten“, bekundete Romney.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.