Bedrohung aus Syrien: Türkei will Grenze mit Patriot-Raketen sichern

Die Türkei will die NATO als Beistandspartner im Syrien-Konflikt offenbar schon bald in die Pflicht nehmen. Wie ein hochrangiger Mitarbeiter des türkischen Außenministeriums erklärt, habe die Türkei vor, eine offizielle Anfrage an die NATO zu richten, Patriot-Raketen an der Grenze zu Syrien zu stationieren.

Im Zuge der sich massiv verschärfenden Unruhen an der türkisch-syrischen Grenze hat das türkische Militär seine Präsenz entlang des 910 Kilometer langen Gebietes bereits ordentlich aufgestockt. Konsequent reagierte die Armee auf Grenzverletzungen durch syrische Granaten und beantwortete sämtliche Einschläge umgehend (dennoch ist nach wie vor die Mehrheit der türkischen Bürgerinnen und Bürger gegen eine Intervention – mehr hier).

Wie ein anonymer Offizieller nun der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, stünde eine Anfrage an die NATO nach einer Stationierung von Patriot-Raketen an der türkisch-syrischen Grenzen unmittelbar bevor. Seinen Angaben zufolge, gebe es eine potenzielle Bedrohung durch Raketen in der Türkei aus Syrien. Und die Türkei wiederum habe das Recht, entsprechende Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Weitere Details nannte der Informant nicht.

Der Einsatz solcher Flugabwehrbatterien sei innerhalb der NATO-Regularien Routine und in der Türkei etwa während des Ersten und Zweiten Golfkriegs zum Einsatz gekommen. Damals wurde das militärische Gerät aus den Niederlanden geliefert.

Erdoğan: Bisher gab es keine offizielle NATO-Anfrage

Die türkische Zeitung Milliyet berichtet darüber hinaus, dass die Türkei gemeinsam mit den USA eine Flugverbotszone im Norden von Syrien durchsetzen wolle. Die Patriots sollen im Zuge dessen gemeinsam mit türkischen Kampfjets sicherstellen, dass die syrische Luftwaffe dort nicht mehr agieren könne. An den entsprechenden Plänen sei bereits monatelang gefeilt worden (das Thema ist bereits seit längerem im Gespräch – mehr hier). Darauf hin erklärte Außenminister Ahmet Davutoglu, dass die NATO zum Schutz vor Beschuss aus Syrien auf dem Gebiet ihres Mitgliedslandes Türkei solche Patriot-Flugabwehrraketen stationieren wolle. Bei der Besprechung der Möglichkeiten werde mit der NATO über alles gesprochen, so der Minister. Ist das Wort Patriot ein magisches Wort? Im Endeffekt sei es ein Luftabwehrsystem.

Doch zeigte sich Davutoglu hier vielleicht zu vorschnell? Wie ein NATO-Sprecher in Brüssel unterdessen erklärte, habe man bisher noch keine entsprechende Anfrage erhalten. Gleiches gab auch der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan während seiner Visite in Indonesien zu Protokoll. Zwar gebe es Gespräche, aber noch keine offizielle Anfrage. Ohnehin müsse eine solche Entscheidung über seinen Tisch gehen und nicht über das Außenministerium. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte jedoch schon am Montag: Wenn eine derartige Anfrage gestellt werden würde, dann müssten sich die Bündnispartner der Türkei auch damit beschäftigen.

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