Keine Restaurierung: Orthodoxe Kirche in Bodrum fällt Abrissbirne zum Opfer

Eine aktuelle Entscheidung der Stadtverwaltung von Bodrum sorgte bei den Einwohnern der Gemeinde für eine ordentliche Überraschung - allerdings nicht im positiven Sinn. Denn diese hatte beschlossen, eine 232 Jahre alte orthodoxe Kirche abzureißen. Eigentlich wurde mit einer Renovierung des historischen Gemäuers gerechnet.

Die Geschichte einer mittlerweile 232 Jahre alten orthodoxen Kirche in Bodrum in der westtürkischen Provinz Muğla neigt sich schon bald ihrem Ende entgegen. Die Entscheidung der Stadtverwaltung das betagte Gemäuer nicht zu erhalten, sorgte für große Irritationen unter den Einheimischen. Diese hatten sich eigentlich erwartet, dass das Gotteshaus restauriert werde. Das berichtet die türkische Zeitung Radikal.

Während die Bewohner von Bodrum die alte St. Nicolas (Aya Nikolaya) für erhaltenswert hielten, sahen die Behörden das aber offenbar anders. Sie, so heißt es, beriefen sich bei ihrer Entscheidung auf eine Einschätzung der Universität von Pamukkale, die zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Kirche völlig morsch wäre (aufatmen konnte im Frühjahr unterdessen eine andere Kirche, der hohe Steuernachzahlungen drohten – mehr hier).

Abgesegnet wurde die Entscheidung von Dursun Göktepe (CHP), der stellvertretend für den wegen Korruptionsvorwürfen inhaftierten Bürgermeister Mehmet Kocadon unterschrieb. Besonders pikant: Eigentlich soll Kocadon gegen einen Abriss gewesen sein. Nun habe er angekündigt, die Entscheidung prüfen zu lassen.

Die Kirche diente der Stadt seit 1965 gleich in mehreren Funktionen. Mal war sie Speicher, dann Kino, dann Theater und sogar Bootshaus (wie sich die Situation einer Minderheitenkirche in der Türkei darstellt, darüber sprachen die DTN mit der ersten deutschen Pfarrerin vor Ort – mehr hier).

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