Todestag von Atatürk: Neue Proteste befürchtet

Eine Entscheidung des türkischen Generalstabs könnte für neue Unruhen am morgigen 74. Todestag von Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der Türkischen Republik, führen. Dieser hatte kürzlich verfügt, dass die Bürgerinnen und Bürger wie gewohnt erst am 10 Uhr in sein Mausoleum eingelassen werden und nicht wie von NGOs gefordert, bereits um 9.05 Uhr. Bereits am 89. Jahrestag der Republik Ende Oktober kam es zu Ausschreitungen.

Eigentlich sollte der 10. November 2012 ein friedlicher Tag des Gedenkens an Republikgründer Atatürk werden. Doch die Forderung zahlreicher NGOs könnte nun für Unruhen sorgen. Sie hatten angefragt, ob man in Anıtkabir, so die Bezeichnung des Mausoleums des türkischen Staatsgründers, nicht um 9.05 Uhr eine öffentliche Schweigeminute abhalten könnte. Zu exakt jener Zeit war dieser vor 74 Jahren verstorben. Der Generalstab, so berichtet die türkische Hürriyet, entschied nun aber anders: Einlass für die Bürgerinnen und Bürger wie bisher erst ab 10 Uhr.

Doch wie kam es zu dieser ablehnenden Haltung? Bereits am vergangenen Dienstag, den 6. November, verkündete der Generalstab, der für die Sicherheit rund um Anıtkabir verantwortlich zeichnet, dass das Mausoleum an diesem Freitag, den 9. November, für Besucher geschlossen sein würde, um Vorbereitungen für den Samstag treffen zu können. Wie in den Jahren zuvor wäre es den Bürgerinnen und Bürgern erst ab 10 Uhr gestattet, die Grabstätte aufzusuchen. Die zuvor eingegangene Bitte einiger NGOs, angeführt von der Türkischen Jugendvereinigung (TGB), wurden in den Wind geschlagen.

Zuletzt Ausschreitungen am Tag der Republik

Denn: Die TGB hatte zuvor auch schon die Demonstration zum Tag der Republik vor dem ehemaligen Parlamentsgebäude am 29. Oktober dieses Jahres organisiert. Über 50.000 Menschen hatten sich vor gut zwei Wochen auf dem Ulus Platz in Ankara versammelt, um den Tag zu feiern, obschon es ein explizites Verbot durch den Gouverneur gegeben hatte. Friedlich blieb es hier allerdings nicht. Die Polizei stellte Barrikaden um den Platz auf, um die Demonstranten von ihrem Marsch auf das Mausoleum abzuhalten. Als diese sich dennoch der Absicherung näherten, reagierte die Polizei (die Beamten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein – mehr hier).

In diesem Jahr wird übrigens nicht einmal Premier Recep Tayyip Erdoğan wird an den Gedenkfeierlichkeiten in Ankara teilnehmen. Eigentlich war er bis dahin von seiner Auslandsreise zurückerwartet worden. Nun stattet er auf Einladung von Sultan Hassanal Bolkiah Brunei einen eintägigen Besuch ab.

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