Türkische Grenzverletzungen: Syrischer Präsident Assad weist jede Verantwortung von sich

Im Zuge seines am vergangenen Freitag ausgestrahlten Interviews mit dem englischsprachigen Nachrichtensender „Russia Today“, hat sich der syrische Machthaber Bashar al-Assad erstmals zu den wiederholten Grenzverletzungen an der türkisch-syrischen Grenze geäußert. Wie er der Journalistin Sophie Shevardnadz erklärt, hätten seine Truppen keinen Befehl, türkisches Territorium zu bombardieren. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Granaten durchaus von seiner Armee stammen könnten.

Das am Freitag ausgestrahlte Interview mit „Russia Today“ hatte schon im Vorfeld für Aufsehen gesorgt. Ausschnitte wurden bereits vor der eigentlichen Veröffentlichung gezeigt. Darin gab sich der syrische Machthaber überaus selbstbewusst. Ein Exil lehnte er ab. An ein Eingreifen der Weltgemeinschaft in den syrischen Konflikt glaubt er nicht (das könnte sie sich seiner Ansicht nach auch gar nicht leisten – mehr hier).

Bashar al-Assad glaubt nicht an Krieg zwischen Syrien und Türkei

Seit Anfang Oktober hatte sich die Lage zwischen den beiden ehemaligen Verbündeten Türkei und Syrien dramatisch verschärft, als fünf türkische Zivilisten durch syrische Granaten ums Leben kamen (das türkische Militär drohte daraufhin, künftig schärfer zu reagieren – mehr hier). Im aktuellen Interview fordert Assad nun einen gemeinsamen syrisch-türkischen Ausschuss, der untersuchen solle, wer für die Einschläge jenseits der syrischen Grenze verantwortlich wäre. Er wies darauf hin, dass nicht nur seine Armee, sondern auch die Opposition über entsprechende Waffen verfüge und es demnach ebenso gewesen sein könnte. Ein Umstand, auf dem zuvor schon durch US-Generalleutnant Mark Hertling aufmerksam gemacht wurde. Der Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte in Europa gab Ende Oktober im Gespräch mit dem privaten Fernsehsender NTV zu  bedenken, dass derzeit nicht klar sei, wer die Granaten aus Syrien in Richtung Türkei abfeuere. Bisher geht die türkische Regierung davon aus, dass die Einschläge auf das Konto der Assad-Leute gehen.

Der Vorschlag Assads stieß nach Angaben Assads jedoch nicht auf Gegenliebe: „Wir haben bei der türkischen Regierung wegen der Einsetzung eines solchen Ausschusses angefragt. Diese lehnte ab. Deshalb kann es keine Antwort geben“, so Assad. Die syrische Armee hätte jedenfalls keinen entsprechenden Befehl. Denn an so etwas hätte Syrien keinerlei Interesse. „Gegen das türkische Volk hegen wir keine Feindschaft. Wir betrachten sie als Brüder. Warum sollten wir also so etwas tun? Sofern das aus Versehen passiert ist, bedarf das einer Untersuchung.“

Assad bezeichnet Erdoğan als „osmanischen Kaliphen“

Trotz der anhaltenden Spannungen glaubt Bashar al-Assad allerdings nicht, dass es zu einem Krieg zwischen Syrien und der Türkei kommen werde. Solch einen Schritt, davon ist er überzeugt, würde vom türkischen Volk nicht unterstützt (in der Tat spricht sich die Mehrheit derzeit gegen eine Intervention aus – mehr hier). „Ich glaube nicht, dass ein vernünftiger Offizieller gegen den Willen seines Volkes handelt. (…) Der Konflikt spielt sich nicht zwischen dem syrischen und dem türkischen Volk ab.“ Er finde auf politischer Ebene statt. Im Zuge dessen schießt der syrische Präsident auch gegen den türkischen Premier Erdoğan. Er wirft ihm vor, die Region wie zur Zeit des Osmanischen Reiches kontrollieren zu wollen und verglich ihn mit einem „osmanischen Kaliphen“. Erdoğan glaube, dass er seine politische Zukunft sichern könne, wenn die Muslimbruderschaft in der Region, insbesondere in Syrien, an die Macht käme.

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