Liegt im Gold die Lösung? Erdoğan rät IWF die Abkehr vom US-Dollar

Während seiner Visite in Indonesien prangerte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan nicht nur die Untätigkeit des UN-Sicherheitsrats an. Reformbedürftig ist seines Erachtens auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Der UN-Sonderorganisation riet er, sich vom Druck des US-Dollars zu lösen und stattdessen auf Gold zu setzen. Die Türkei selbst will ihre Abhängigkeit vom IWF im Frühjahr 2013 beenden.

Obschon es den Anschein mache, dass für einige Länder die Hilfe des Internationalen Währungsfonds angeraten sei, bewirke das doch oft das Gegenteil, berichtet die türkische Zeitung Sabah von der Einschätzung des türkischen Premiers. Nicht selten habe der IWF ernsthafte Probleme verursacht. Deshalb frage sich Erdoğan nun, warum dieser statt auf US-Dollars künftig nicht auf Gold setze.

Seiner Ansicht nach sei es nicht richtig, dass der IWF nach der Währung eines Landes agiere. „Der IWF vergibt Hilfen auf der Grundlage des, wer, wie und warum. Wenn also der IWF unter dem Einfluss einer einzigen Währung steht, was dann, werden sie die Welt nach den Wechselkursen der betreffenden Währung regieren?“, zitiert das Medium Erdoğan weiter. Warum wechsle man dann nicht zu einer Geldeinheit wie Gold. Diese sei zumindest international konstant und habe sich im Laufe der Geschichte durchaus bewährt. Das sei etwas, worüber es nachzudenken gelte.

Keine Absicht, weiter mit dem IWF zusammenzuarbeiten

Die Türkei jedenfalls habe, erklärt der Premier weiter, einen hohen Preis für seine Vereinbarungen mit dem IWF bezahlt. „Wir haben mit dem IWF für die letzten drei Perioden kein Standby-Abkommen getroffen. Im April werden wir unsere Schulden komplett beglichen haben und wir haben keine Absicht, noch einmal mit dem IWF zusammenzuarbeiten.“ (Derzeit verbleiben nur noch rund zwei Milliarden Dollar an Kreditschulden – mehr hier) Man möchte hoffen, dass der IWF Ländern helfe, die in Schwierigkeiten seien, aber dies sei seiner Ansicht nach nicht der Fall. Doch genau das sei es, was man erreichen müsse.

Bereits im vergangenen Mai versicherte der Premier, das die Türkei ihre Schulden an den IWF spätestens im April 2013 abbezahlt hat. Damit würde sich die Türkei auch von den Bestimmungen des Währungsfonds unabhängig machen. Insgesamt, so informierte er seinerzeit, habe die Türkei in den vergangenen 50 Jahren vom IWF Kredite über 46 Milliarden Dollar erhalten. Derzeit betrage die Schuldenhöhe noch 2,3 Milliarden Dollar, während es 2002 noch 23,5 Milliarden waren. Auf Grund hoher Investitionen aus dem Ausland sei man nun nicht mehr auf den IWF angewiesen (dennoch werden weiterhin dringend technologische Investoren gesucht – mehr hier).

Erdoğan will nicht nach den Bedingungen des IWF tanzen

2001 befand sich das Land in einer ähnlichen Lage wir Griechenland. Die Staatspleite konnte nur durch die IWF-Hilfe verhindert werden. Damals wurde ein Notkredit von zehn Milliarden gewährt, der in der Türkei Jubel auslöste. Erdoğans Regierung setzte nach ihrem Amtsantritt allerdings in erster Linie auf Wachstum. 2009 sollte die Türkei noch einmal einen Kredit des IWF erhalten. Die Wirtschaftskrise hatte auch die Türkei schwer getroffen und die Auslandsinvestitionen brachen ein. Die Bedingungen des IWF wollte der Premier allerdings nicht erfüllen. Das Land sollte eine realistische Haushaltsplanung vorlegen. Doch einen durch weitere Hilfszahlungen verordneten Sparkurs der IWF wollte er mit allen Mitteln verhindern.

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