Nach Heraufstufung: Ratingagentur Fitch äußert Bedenken zum Leistungsbilanzdefizit der Türkei

Der Chef-Analyst der Ratingagentur Fitch, Ed Parker, hat auf einer Pressekonferenz in Istanbul betont, dass die Türkei trotz Heraufstufung der Kreditwürdigkeit ein Leistungsbilanzdefizit aufweise.

Die Türkei habe es verstanden, eine Rezession abzuwenden. Allerdings sei die türkische Wirtschaft noch immer brüchig, denn sie weise ein enormes Leitungsbilanzdefizit auf.
Parker betonte, dass er schon vor Heraufstufung der Türkei, auf Grund ihrer Zahlungsbilanz (Leistungsbilanz, Vermögensübertragungen, Kapitalbilanz, Veränderung der Währungsreserven zu Transaktionswerten, Saldo der statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen)  Bedenken gehabt habe. Trotzdem sehe er für das Jahr 2012 ein Rückgang des Leistungsbilanzdefizits auf 58 Milliarden US-Dollar (Mit der Meldung von der Heraufstufung sanken die Zinsen für türkische Staatsanleihen auf das tiefste jemals gemessene Niveau – mehr hier).

Schwankungen werden andauern

Erhöhte Exporte und gesunkene Importe haben zwar kurzfristig zur Linderung des Leistungsbilanzdefizits geführt. Doch seien weiterhin Schwankungen zu erwarten, so Parker. Die Zahlungsbilanz sei ein Beleg für alle finanziellen Transaktionen zwischen einem Land und der restlichen Welt. Dies beinhalte Aufwendungen für die Ein-und Ausfuhr von Gütern, Dienstleistungen, Geldtransfers und Finanzkapital. Eine Kluft in der Zahlungsbilanz sei bei aufstrebenden Nationen „völlig normal“, solange dies wirtschaftlich tragbar sei.

Vize der türkischen Zentralbank: Verschuldungsquote wird sinken

Im Anschluss an Parker sprach der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Zentralbank, Turalay Kenc. Er verlautbarte, dass die Verschuldungsquote am Bruttoinlandsprodukt innerhalb der nächsten drei Jahre auf 32 Prozent fallen werde.
Kenc zufolge, sei im Jahre 2010 ein großer Kapitalzufluss zu verzeichnen gewesen. Dies erforderte eine deutliche Erhöhung des Gesamtdarlehenvolumens auf bis zu 35 Prozent. So sei das Ungleichgewicht innerhalb des türkischen Marktes zu erklären.

„Dieses schnelle Anwachsen des Gesamtdarlehenvolumens (innerhalb einer so kurzen Zeit) brachte unsere Zahlungsbilanz durcheinander“, bemerkte Kenc. Die Türkei habe aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt und sei bereit für den Kapitalzufluss.

Am 5. November 2012 hatte die Ratingagentur Fitsch die türkische Bonitätsnote für Schuldtitel mit langer Laufzeit in ausländischer Währung um eine Note auf „BBB-“ angehoben und die für Anleihen in heimischer Währung um zwei Noten auf „BBB“. Somit werden türkische Staatsanleihen zum ersten Mal seit 1994 als „durchschnittlich gute Anlage eingestuft. Zuvor galten sie noch als hochspekulativ (erst Anfang Juli bewertete EU-Währungskommissar Olli Rehn die Türkei positiver als der IWF – mehr hier).

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