10 Jahre Hippy in Darmstadt: „Wer nichts lernt bleibt arm“

Seit nunmehr zehn Jahren gibt es im hessischen Darmstadt ein Hausunterrichtsprogramm für Eltern mit Vorschulkindern. HIPPY (Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters) wird unter anderem vom DRK Darmstadt getragen und richtet sich vor allem an Familien mit Migrationshintergrund. Die Arbeit der HIPPY-Mitarbeiter kommt bei den Betroffenen gut an. Auf den Erfolgen ausruhen gilt jedoch nicht.

Zweifelnde Menschen werden von Begleitern aufgerichtet und in Bewegung gesetzt. Dieses „Empowerment“ ist für Barbara Ametsbichler, Vorsitzende von HIPPY Deutschland e. V., eine der zentralen Aufgaben von HIPPY (Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters). Anschaulich dargestellt wurde dieses „Empowerment“, also die Aktivierung, Befähigung oder Mitwirkunsmöglichkeit, durch die Theatergruppe „Zeit – Punkt“, die aus dem Jugendclub Backstage des Staatstheaters und dem Jungen Theaterlabors Darmstadt besteht. Aufgeführt hatten es die jungen Leute anlässlich einer Feierstunde in der Bessunger Knabenschule. Dort feierte das DRK vergangene Woche mit
Darmstädter Mitwirkenden und auswärtigen Gästen zehn Jahre HIPPY in Darmstadt (auch auf dem Land ist HIPPY bereits angekommen – mehr hier).

Schon in seiner Begrüßungsrede verwies der DRK-Kreisvorsitzende, Dr. Roland Reiner, auf die immense Bedeutung von Bildung hin. Diese, so zitiert ihn das DRK an diesem Montag in einer entsprechenden Mitteilung, sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Gesellschaft, „nicht unter ihrer Zeit zu sein“. Der Zustand einer Gesellschaft zeige sich daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht: „Wer nichts lernt, bleibt arm“. HIPPY sei ein Programm, um Kinder und Eltern spielerisch für die Anfänge der Bildung zu begeistern.

Vertrauensvoller Kontakt zu Eltern von Anfang an

Zu tun gibt es allerdings noch jede Menge. Und das nicht nur in Darmstadt. Darauf machte die hiesige Sozialstadträtin Barbara Akdeniz während der Veranstaltung aufmerksam. Immer noch gebe es hierzulande „erhebliche Ungleichheiten was Bildung und Einkommen angeht“. Bildung, so stellt die Fachfrau heraus, sei von der Herkunft abhängig. Sie beginne mit der Geburt und hänge von der Familie ab. Eine frühe Hilfe sei daher wirksamer als allgemeine Prävention. Und genau da wird in der rund 150.000 Einwohner starken Wissenschaftsstadt angesetzt. Schon kurz nach der Geburt würden Eltern zu Hause aufgesucht. So entstehe gleich nach der Geburt ein vertrauensvoller Kontakt, dabei werde mit einem Info-Ordner auch auf das HIPPY-Programm hingewiesen.

Die Anfänge von HIPPY gehen in der Bundesrepublik bereits auf das Jahr 1991 zurück. Mittlerweile, so informierten im Zuge der Feierstunde Barbara Ametsbichler, Vorsitzende von HIPPY-Deutschland e.V., und Buket Dagdelen, HIPPY- Koordinatorin des DRK Darmstadt, gebe es 33 Standorte mit einem Regelangebot in ehrenamtlicher Struktur. Seit 2002 gibt es den Verein HIPPY Deutschland e. V. Wesentliche Ziele von Beginn an: „(…) den Lernort Familie (…) stärken, die Bildungschancen der Kinder (…) verbessern, die Eltern zu Partnern von Kindergarten und Schule zu machen, die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken sowie die Eltern-Kind-Beziehung durch intensive Zuwendung zu fördern.“ (ein Projekt namens MiMi zielt eher auf Hilfe für Erwachsene – mehr hier)

HIPPY-Anfänge in Darmstadt: 2 Gruppen mit 20 Familien

In Darmstadt, führt das DRK in seiner Mitteilung weiter aus, habe HIPPY 2002 mit Mitteln der Glücksspirale mit zwei Gruppen mit 20 Familien sowie zwei Hausbesucherinnen, speziell für türkische Familien begonnen. Zeitweise sei das Projekt vom DRK alleine getragen worden. Seit 2008 werde die Arbeit von der Wissenschaftsstadt Darmstadt, der Craton Stiftung und dem DRK finanziert und sei offen für alle Nationalitäten. „Derzeit gibt es 7 Gruppen mit 71 Familien und 7 Hausbesucherinnen. An fünf Standorten im Stadtgebiet können die Gruppentreffen stattfinden, denn auf die sozialraumbezogene Arbeit im Stadtteil wird besonderer Wert gelegt.“

Gegenüber den eigenen Kinder „stark sein“

Und wie kommt HIPPY bei den Teilnehmern an? Hierzu hat Buket Dagdelen Mütter in Darmstadt befragt, die allesamt unterschiedlich lange am Projekt teilnehmen. So erklärte etwa eine dieser Mütter gegenüber der HIPPY- Koordinatorin, dass ihr bei den Gruppentreffen bewusst geworden sei, dass es verschiedene Lerntypen gäbe. Manche Kinder, so ihre Feststellung, bräuchten zum Lernen eben Bewegung. Über HIPPY habe ihr Kind Kontakt zu Büchern gefunden. Die Hausbesucherin habe ihr sehr geholfen, erinnerte sich eine andere Mutter, als ihr Kind beim Malen nicht weiter gekommen sei. Durch Bekannte war schließlich eine weitere Teilnehmerin auf HIPPY aufmerksam geworden. Auch ihr Kind habe „mit voller Freude und Hingabe das Malen gelernt“. Die Gruppentreffen wurden insgesamt als sehr wichtig erachtet. Man sei mit Sorgen und Fragen nicht alleine. Lesen, Basteln und Malen wurden von allen Müttern als zentrale Verbesserung empfunden. Man könne gegenüber den eigenen Kindern „stark sein“ und ihre Fragen beantworten. Man habe die Sicherheit, „genug mit seinem Kind gemacht zu haben“.

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