Abdullah Gül in größter Sorge: Syrien könnte chemische Waffen gegen Türkei einsetzen

Die Lage ist derart angespannt, dass die Türkei ihrem einstigen syrischen Freund mittlerweile wohl alles zutraut. Nun hat der türkische Präsident Abdullah Gül die Sorgen seiner Regierung über die Möglichkeit zum Ausdruck gebracht, dass Damaskus tatsächlich chemische Waffen gegen die Türkei einsetzen könnte. Patriot-Raketen zur Abschreckung hält er dabei durchaus für eine praktikable Lösung.

In einem Interview mit der Financial Times machte der türkische Staatspräsident Abullah Gül seine Sorgen deutlich: „Es ist bekannt, dass Syrien über chemische Waffen und alte sowjetische Trägersysteme verfügt. So dass, in dem unwahrscheinlichen Fall, dass diese zum Einsatz kommen würden, ein Notfallplan in Kraft treten müsste und genau daran arbeitet die NATO gerade.“ (eine offizielle Anfrage an die NATO bezüglich der Stationierung von Patriot-Raketen gibt es bisher allerdings nicht – mehr hier).

NATO sichert Türkei ihre Unterstützung zu

Noch einmal betonte Gül, dass es die Türkei keinesfalls tolerieren könnte, wenn syrische Granaten türkisches Territorium verletzen würden. Selbst, wenn dies unbeabsichtigt geschehe. Bisher, so fährt er fort, habe die Türkei darauf immer in der erforderlichen Weise reagiert. Wie NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zudem bereits am vergangenen Montag zusicherte, werde die Allianz die notwendigen Schritte ergreifen, um der Türkei zu schützen.

Auch auf die aktuelle Flüchtlingssituation ging der Präsident ein. Mittlerweile würde die Türkei mindestens 150,000 syrische Flüchtlinge beherbergen. Also deutlich mehr als die offiziell registrierte Anzahl von etwas über 100.000. Doch steige deren Zahl weiter an, dann würden sie in Zukunft zu einem Sicherheitsrisiko für Ankara werden. Bei aller Sorge um die Türkei erklärte Gül jedoch auch, dass es hier „in erster Linie“ um die syrische Bevölkerung gehe. „Das ist ganz klar eine Situation, die so nicht weitergehen kann.“

„Die Generäle werden entscheiden, wann und wie die Waffen benutzt werden.“

Dass Güls Sorgen hinsichtlich des dort lagernden Chemiewaffen-Arsenals, es gehört zu den größten der Welt, durchaus seine Berechtigung haben, zeigte sich bereits im vergangenen Sommer. Ende Juli drohte das Regime im Falle eines „ausländischen Angriffs“ Chemiewaffen einzusetzen. So ließ der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Dschihad Makdessi seinerzeit verlauten: „Die Generäle werden entscheiden, wann und wie die Waffen benutzt werden.“ Eine Aussage, die damals auch vom deutschen Außenminister Guido Westerwelle scharf kritisiert wurden. Damit enthülle, so Westerwelle, das syrische Regime ein weiteres Mal seine menschenverachtende Denkart. Der FDP-Politiker forderte alle Kräfte in Syrien dazu auf, „verantwortlich zur Sicherung etwaiger Chemiewaffenbestände beizutragen“. (zur gleichen Zeit rief die Türkei ihren Generalkonsul aus Aleppo zurück – mehr hier)

Doch schon im September folgte dann der nächste Schlag: Syrien hatte offenbar Trägersysteme für Giftgasgranaten in der syrischen Wüste getestet. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Syrien unmissverständlich gewarnt, falls Chemiewaffen zur Bedrohung für Verbündete werden sollten, dann habe Syrien mit „enormen Konsequenzen“ zu rechnen.

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