Schlechte Akustik: Es ist zu laut in Deutschlands Klassenzimmern

Der Lärm in deutschen Klassenräumen beeinträchtigt Schüler und Lehrer. Daran sind nicht die wilden Schüler schuld, sondern die alte Bauweise. Früher wurden die Klassen so gebaut, um den Frontalunterricht mit etwas Nachhall zu unterstützen. Beim modernen Gruppenunterrricht führt das zum gegenteiligen Effekt.

Frontalunterricht, in dem die Kinder brav dem Lehrer lauschen und mitschreiben gehört in deutschen Klassenräumen fast schon der Vergangenheit an. Die Mitarbeit der Schüler und Interaktion im Unterricht führen maßgeblich zu einer kinderfreundlicheren Atmosphäre und machen das Lernen leichter.

Doch deutsche Klassenräume sind darauf nicht ausgerichtet, meinen Experten. Ein durchschnittlicher Lärmpegel von 65 und 95 Dezibel beeinträchtigt Schüler und Lehrer. Mit 75 Dezibel befindet sich der Lärm eines Rasenmähers noch innerhalb des Durchschnitts. Problematisch sind in erster Linie alte Schulgebäude, in deren Klassenzimmern es zu Nachhall kommt. Die übliche Reaktion, noch lauter zu sprechen, verstärke dies noch.

Lärm in der Schule sei Umfragen zufolge der „Belastungsfaktor Nummer eins“ berichtet der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV). Der Nachhall in Klassenräumen beeinträchtige „nachhaltig das Verstehen und die Konzentrationsfähigkeit von Schülern und Lehrern“, heißt es.

Das Forum „Sound Education“ am 19. November, veranstaltet von dem Unternehmen Ecophon, befasst sich mit dem Thema Raumakustik. „Neue Unterrichts- und Lernformen wie Gruppenarbeiten und offener Unterricht brauchen darauf ausgerichtete Klassenzimmer“, so die Veranstalter. Lernerfolge können sich nämlich nach aktuellen Erkenntnissen in so einer Atmosphäre nicht wirklich einstellen. So erklärt auch Gerhard Tiesler vom Institut für interdsziplinäre Schulforschung bei 3Sat: „Wenn Sie in der Schule schlechte Raumakustik-Verhältnisse haben, nützt auch ein gutes pädagogisches Konzept nichts”.

Schwierig seien die akustischen Verhältnisse beispielweise für Kinder mit einer Erkältung. Bei Hörgeschädigten und Nicht-Muttersprachlern stellen sich durch die Lärmverhältnisse zusätzliche Einschränkungen ein.

Konzentrationsprobleme in Zusammenhang mit Lärm gibt es allerdings nicht nur bei Kindern. Auch bei Erwachsenen wird der Geräuschpegel zum Problem, wenn diese etwa in einem Homeoffice arbeiten. Untersucht hatte Regus hierzu 24000 Probanden aus 90 Ländern, darunter auch die Türkei. Besonders schlimm wird es demnach für türkische Arbeitnehmer, wenn Kinder oder andere Familienangehörige Aufmerksamkeit einfordern (grundsätzlich haben 51 Prozent zuhause Konzentrationsschwierigkeiten – mehr hier).

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