Mehr Einfluss am Horn von Afrika: Türkei will neues Parlamentsgebäude in Somalia bauen

Während sich die Türkei und der Iran im Syrien-Konflikt alles andere als einig sind, geht das Wetteifern um Einfluss für beide Länder nun offenbar am Horn von Afrika weiter. Iran hat angekündigt, in Mogadischu eine Botschaft einzurichten. Und die Türkei legt nach: Sie will ein neues Parlamentsgebäude bauen.

Das türkische Engagement in Somalia ist nicht neu. Bereits am Rande der Somalia-Konferenz in London Anfang des Jahres, lobten die dort teilnehmenden Staaten die Türkei für ihren „konstruktiven Beitrag zum Wiederaufbau des Landes“. Alles, was die Türkei versprochen hätte, sei auch umgesetzt worden (Außenminister Ahmet Davutoğlu stellte allerdings klar, dass es keine strategischen Gründe gäbe – mehr hier).

Und das ist auch bitter nötig: Spätestens seit Anfang der 1990er Jahre befindet sich Somalia am Abgrund. Mit dem Sturz von Mohamed Siad Barre eskalierte der Bürgerkrieg. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird das Land nun von anhaltenden militärischen Konflikten zwischen Kriegsherren, Clans, diversen Gruppierungen und Milizen gebeutelt und ist ohne eine Zentralregierung. Erst seit gut 18 Monaten, so berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, habe sich die Sicherheitslage mit dem Verlust von Territorien für der Al Qaida zugehörige Militante und unter dem Druck der Afrikanischen Union sowie der somalischen Kräfte wieder etwas verbessert. Jetzt halte das Land nach ausländischen Geldgebern Ausschau, die Somalia beim Wiederaufbau zur Seite stehen.

Aufbau einer Botschaft in Mogadischu: Teheran folgt Ankara

Der jetzige Schritt Teherans, eine Botschaft in Mogadischu zu eröffnen, folge der türkischen Entscheidung vom letzten Jahr, hier eine Vertretung zu etablieren (dort war im Dezember 2011 eine Autobombe explodiert – mehr hier). Die beiden Staaten sind uneins über den Konflikt in Syrien, und so sei es Reuters zufolge nicht sofort klar gewesen, ob die beiden Außenminister sich abseits der Streitigkeiten in Mogadischu getroffen hätten. Die Türkei hat sich in dem seit März 2011 andauernden syrischen Konflikt auf die Seite der
weitgehend sunnitischen Rebellen geschlagen, die gegen die zumeist alawitischen Streitkräfte Bashar al-Assads kämpfen, einem Ableger des schiitischen Islams, der vorherrschenden Religion des Iran.

Wie nun Irans Außenminister Ali Akbar Salehi herausstellt, würde sich sein Land völlig hinter die somalische Bevölkerung stellen. Gleichzeitig, so analysiert Reuters, versuche Teheran damit aber auch, dem Einfluss der westlichen Länder und ihrer sunnitischen Nachbarn auf die mehrheitlich muslimischen afrikanischen Länder durch eine Erweiterung seiner eigenen Reichweite zu begegnen. Nach einem Treffen mit dem somalischen Präsidenten Sheikh Mohamud Hassan eröffnete Salehi den anwesenden Reportern, dass Iran neben einer Botschaft auch eine Klinik errichten wolle. Der Iran werde sein Bestes tun, um den Somalis bei der Überwindung der seit 20 Jahren andauernden Krise zu helfen.

Türkei als Modell für muslimische Demokratie in Afrika

Noch sei nicht klar, wann die neue Botschaft eröffnet werden wird. Bislang verfügt Somalia nur über fünf funktionierende Botschaften im Land: Dschibuti, Sudan, Libyen, Jemen und Äthiopien. Die meisten anderen Länder neigen dazu, ihre Operationen aus dem benachbarten Nairobi abzuwickeln.

Doch während sich die Sicherheit insgesamt zu verbessern scheint, liegt Mogadischu weiterhin in Trümmern. Erst im August 2011 hat die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz ihre festen Stellungen in der Stadt aufgegeben. Seitdem verfolgt sie eine Guerilla-Taktik und verübt immer wieder Anschläge. Unterdessen hat die Türkei eine führende Rolle bei der Sanierung übernommen. Sie versucht ihr Profil abseits der Heimat zu stärken (gleichzeitig nahm man somalische Studenten in der Türkei auf – mehr hier) und sich als Modell für eine muslimische Demokratie in Afrika zu empfehlen. Zuletzt kündigte der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu an, dass die Türkei das Parlamentsgebäude wieder aufbauen wolle. Daneben wolle man die Straßen von Mogadischu und andere öffentliche Gebäude sanieren. Auch der direkte Draht per Flugzeug steht bereits. Seit März bietet Turkish Airlines regelmäßige Flüge nach Mogadischu an.

Mehr zum Thema:

Investition in die Zukunft: Türkei konzentriert sich auf Afrika
Nach dem Arabischen Frühling: Erdoğan wünscht sich von der Islamischen Entwicklungsbank mehr Hilfe für notleidende islamische Staaten
Somalia-Konferenz: Teilnehmerstaaten loben Türkei für vorbildliche Hilfe


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.