Die Affäre Petraeus: Wird jetzt auch die Türkei in den Sex-Skandal hineingezogen?

Ein Rücktritt, eine Geliebte, ein toter US-Diplomat und Waffenschmuggel über die Türkei: Diese nur auf den ersten Blick so gar nicht zusammen passen wollende Mixtur lässt derzeit die Gerüchteküche brodeln. Die einstige Affäre des zurückgetretenen CIA-Chefs David Petraeus hat geplaudert und plötzlich findet sich dank Paula Broadwell auch die Türkei inmitten eines US-amerikanischen Sex-Skandals.

Für den US-amerikanischen Blogger und ehemaligen CIA-Analysten Larry Johnson ist die Sache klar: Die Saga rund um den einstigen Volkshelden David Petraeus hat gerade erst begonnen. Seine Landsleute stürzten sich geradezu auf den Sex-Skandal mit seiner Biographin Paula Broadwell, der dem vielversprechenden Ministerkandidaten kurz nach den Präsidentschaftswahlen das Genick brach. Und diese wirft den „Hungrigen“ jetzt neues Futter vor die Füße.

In den Fokus der Aufmerksamkeit geraten ist nun eine Rede der Autorin in der Universität von Denver, die diese bereits vor über einem Monat gehalten hat. Zu jener Zeit, so schreibt Johnson, habe das kaum einer beachtet. Jetzt sähen die Leute jedoch ein zweites Mal hin. Und siehe da, Broadwell hatte am 26. Oktober in der Tat einige „bemerkenswerte Aussagen“ gemacht.

Benghazi: Terroristen wollen Gesinnungsgenossen befreien

Die Rede ist dort von Libyen und den Vorfällen rund um den Tod des US-Botschafters Christopher Stevens und dreier seiner Mitarbeiter. Das Ganze, so die Ex-Geliebte, sei tatsächlich eine Attacke von Terroristen gewesen. Doch warum sollten diese die Botschaft angreifen? Auch darauf hat die Journalistin eine Antwort: Auf dem Gelände sollen Gesinnungsgenossen gefangen gehalten worden sein, die man nun versucht habe zu befreien. Alles Unsinn, versucht der CIA die Behauptungen der 40-Jährigen an diesem Mittwoch zu dementieren.

Wohlwissend, dass man die Ereignisse in Benghazi zunächst selbst als spontane Protestaktion gegen den US-amerikanischen Schmäh-Film „Die Unschuld der Muslime“ heruntergespielt hat und erst später eingestand, dass es sich doch um einen geplanten Terrorangriff handelte.

Auch Blogger Johnson ist sich sicher, dass diese Frau nicht wisse, was sie da eigentlich rede. Dennoch bergen ihre Aussagen rund um die angeblichen Gefangenen aus den Reihen der libyschen Miliz einiges an Zündstoff. Immerhin käme sie da mit einer Information um die Ecke, die bisher alles andere als öffentlich bekannt war. Zudem hätten Quellen gegenüber dem Nachrichtensender Fox News bestätigt, dass es diese Gefangenen in der Tat gegeben habe.

Ob Petraeus ihr diese Informationen im Schlafzimmer zugeflüstert hat, mag dahin gestellt sein. Eine Frage scheint in diesem Zusammenhang viel wichtiger: „Was wäre, wenn die Aktivitäten auf diesem Gelände (…) dazu dienten, um Waffen an die syrischen Rebellen zu liefern?“ Und was wäre, wenn die Saudis über Libyen Geld für Waffen an eine ausländische Gesellschaft geschleust hätten? Alles unter den Augen des Weißen Hauses. So etwas, konstatiert der Fachmann, nenne man dann wohl politisches Dynamit.

Kontrolle der Waffenlieferungen über die Türkei

Dass die USA den syrischen Rebellen indirekt bereits mit Waffen unter die Arme gegriffen haben, ist hinreichend bekannt. Die Verbindung über die Saudis hätte allerdings nicht gehalten. Und Petraeus, so Johnson weiter, sei mittendrin gewesen. Bereits am 2. September stattete er der Türkei einen Besuch ab (die Visite war unangekündigt, die Medien spekulierten, ob er die türkisch-israelischen Beziehungen kitten wolle – mehr hier). Mit im Gepäck hatte er die Sorge, wie die Waffen künftig in die richtigen Hände geraten würden und eben nicht, wie zuvor geschehen, in die von islamistischen Hardlinern. Die CIA, zitiert Johnson die New York Times, habe den Besuch von Petraeus in der Region, die er nur allzu gut kannte, nicht kommentiert. Und obschon die USA das bestritten, sei Petraeus tief in die Bemühungen um eine Lösung verstrickt gewesen. Ziel sei es gewesen, eine Opposition zu formen, mit der die Vereinigten Staaten später hätten arbeiten können. Hierzu habe der CIA Leute in die Türkei geschickt, um bei der Koordinierung der Hilfe mitzuwirken.

Auch der getötete Christopher Stevens habe sich kurz vor dem Angriff auf seine Botschaft mit einem türkischen Diplomaten in Benghazi getroffen (Präsident Abdullah Gül lobte nach der Wiederwahl Obamas die vorbildliche Partnerschaft – mehr hier). Das alles kann kein Zufall sein, ist sich Larry Johnson sicher. „Sie überbrachten den Türken die Botschaft, dass man über die Waffen, die aus Libyen geschleust werden, mehr Kontrolle braucht.“

Jüngste Entwicklung an diesem Donnerstag: Am kommenden Freitag wird Petraeus nun doch zum Benghazi-Angriff aussagen. Der US-Senat befragt ihn hierzu hinter verschlossenen Türen.

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