Bundesweiter Vorlesetag mit Ministerin Özkan: „Lesen ist der Schlüssel zur Sprache“

Anlässlich des bundesweiten Vorlesetages hat sich auch Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan unter die „Vorleser“ begeben. Vor rund 50 Kindern der Grundschule Brüder Grimm las die Politikerin im DRK-Pflegeheim Am Listerholz, wo sich mindestens ebenso viele Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims zur Lesestunde versammelten. Wie wichtig derartige Anreize sind, liegt auf der Hand. Mehr als sieben Millionen Deutsche verstehen selbst einfachste Texte nicht.

„Lesen ist der Schlüssel zur Sprache“, stellte Ministerin Aygül Özkan vor den Anwesenden Kindern und Senioren im Pflegeheim in Hannover heraus. Wer Kindern vorlese, rege ihre Phantasie an und erweitere ihren Wortschatz, so die deutsche Ministerin türkischer Herkunft.

Özkan lobte außerdem, dass der Förderverein der Grundschule Brüder Grimm e.V. den engen Kontakt zwischen den Schulkindern und den älteren Menschen im Pflegeheim unterstützt. Das fördere den Zusammenhalt zwischen den Generationen.

Mit dem bundesweiten Vorlesetag, so heißt es in einer entsprechenden Mitteilung des Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, möchten die Initiatoren der Veranstaltung Begeisterung für das Lesen und Vorlesen wecken. Der Aktionstag folgt dabei der Idee: Jeder, der Spaß am Vorlesen hat, liest an diesem Tag anderen vor – zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken oder Buchhandlungen.

„Kinder brauchen Geschichten so nötig wie Vitamine und Mineralstoffe“

Der bundesweite Vorlesetag hat an diesem 16. November bereits zum neunten Mal stattgefunden. Insgesamt, so informiert die Internetseite der Initiative, hätten sich diesmal rund 48.000 Vorleser „freiwillig, unentgeldlich und mit viel Leidenschaft“ engagiert. Das ist Rekord. Mit der Aktion wollen die Initiatoren langfristig Lesekompetenz fördern und somit Bildungschancen eröffnen. Schon im Jahr 2011 fanden im Rahmen des Vorlesetages in der gesamten Bundesrepublik rund 12.000 Veranstaltungen zum Thema statt.

Mit dabei in diesem Jahr sind nicht nur unzählige Freiwillige und Prominente wie Uschi Glas, Jörg Pilawa, Barbara Schöneberger, Tom Buhrow, und Jette Joop, sondern auch „Menschen vom Fach“, wie der Kinderbuchautor Paul Maar, Vater der bekannten Märchenfigur „Das Sams“. Er betont: „Kinder brauchen Geschichten so nötig wie Vitamine und Mineralstoffe. In einer Zeit, in der Kinder täglich von einer Flut optischer und akustischer Reize überspült werden, kann eine Geschichte zur kleinen Rettungsinsel im Informationsmeer werden.“

Vorlesen an ungewöhnliche Orten

Bei der Wahl der Vorleseorte haben die DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn der Fantasie der Freiwilligen keine Grenzen gesetzt: „Neben Kindertagesstätten, Schulen, Bibliotheken und Buchhandlungen können auch an ungewöhnlichen Orten Vorleseaktionen stattfinden, zum Beispiel in Museen, Fabriken, Fernsehstudios oder Tierparks.“ Doch bei einem einzigen Tag bleibt es nicht. Auch über den Bundesweiten Vorlesetag hinaus würden sich weitere 10.000 Menschen als ehrenamtliche Vorlesepaten der Stiftung Lesen in Kindertagesstätten, Schulen, Seniorenheimen und wo immer sie auf offene Ohren stoßen engagieren (auch türkische Gastronomen versuchen mit ungewöhnlichen Aktionen zum Lesen anzuregen – mehr hier).

Wie nötig ein solches Engagement ist, zeigen jüngste Zahlen. Denn: Mehr als 14 Prozent aller Deutschen im erwerbsfähigen Alter, konkret etwa 7,5 Millionen können selbst einfache Texte nicht lesen. In einer gemeinsamen Initiative wollen Bund und Länder nun gegen diese bedrohliche Entwicklung ankämpfen (Mitte Oktober wurde eine gemeinsame Initiative zur Verbesserung der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung vereinbart – mehr hier).

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