Kriegsgefahr in Nahost: Erdoğan will sich mit Barack Obama beraten

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan reagiert auf das Vermittlungs-Appell aus den USA und will sich in Anbetracht der anhaltenden Spannungen zwischen Israel und Gaza telefonisch mit US-Präsident Barack Obama beraten. Doch die Positionen sind konträr: Während die USA Israels Angriffe billigen, schlägt sich die Türkei auf die Seite von Gaza.

„Wir stehen als türkische Regierung zu unseren Freunden in Gaza“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Premier Recep Tayyip Erdoğan. Seiner Ansicht nach habe Israel mit den Angriffen begonnen und dabei unschuldige Menschen getötet. Er erinnert sich an die Zeit im Vorfeld der Wahlen im Jahr 2008. Wie damals würden hier erdichtete Ausreden herangezogen.

Türkei will sich mit Russland, USA und Ägypten beraten

„Ich werde mit Präsident Barack Obama telefonieren und ihm meine Gedanken mitteilen“, so der Premier weiter (zuvor richtete die USA unter anderem an die Türkei die Bitte, im Nahost-Konflikt zu vermitteln – mehr hier). Sowohl der UN Sicherheitsrat als auch die dominierenden Weltmächte sollten versuchen, Israel von weiteren Angriffen auf Gaza abzubringen.  Noch einmal stellte er in diesem Zusammenhang heraus, dass zwischen der Türkei und Israel keinerlei Verbindung mehr existierte. „Der UN-Sicherheitsrat ist der beste Ort, um Israel zu konfrontieren. Und die Nationen, die Verbindungen mit Israel haben, sollten daran teilnehmen. Wir selbst haben keinerlei Verbindungen zu Israel.“

Die Türkei, so berichtet das Medium weiter, sucht offenbar nicht nur das Gespräch mit den USA. Das Land habe laut dem Premier auch um ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gebeten.

Erinnerung an Tote des Jahres 2008

In den Augen von Erdoğan ist das, was derzeit zwischen Israel und Gaza passiert eine „barbarische“ Wahltaktik Israels. Gegenüber Journalisten versicherte er am vergangenen Freitag vor der Bezm-i Alem Valide Sultan Moschee in Dolmabahçe, dass man Gaza verteidige, ganz gleich, was es koste. Neben Obama und Putin, woll er bereits am kommenden Wochenende auch Ägyptens Präsident Mohamed Mursi in Kairo konsultieren. Das berichtet die türkische Zeitung Sabah. Im Jahr 2008 waren bei israelischen Angriffen 1500 Menschen in Gaza ums Leben gekommen, 5000 weitere wurden verletzt.

„Wie Sie wissen, sind im nächsten Monat Wahlen in Israel. Und wie Sie sehen, hat Israel wieder damit begonnen, aus fadenscheinigen Gründen unschuldige Menschen in Gaza zu bombardieren.“ Er hoffe daher inständig, dass entweder durch einen Beschluss des UN-Sicherheitsrat oder eine Änderung in der Haltung der weltweit herrschenden Mächte, Israels offensive Haltung zu einem Ende kommen werde.

https://www.youtube.com/watch?v=vc7bgH10KBo

Auch der türkische Präsident Abdullah Gül hat sich mittlerweile zur immer massiver werdenden Kriegsgefahr in unmittelbarer Nachbarschaft geäußert. Wie Gül betonte, verfolge man das Vorgehen Israels ganz genau. Die bisherigen Angriffe verurteilte er scharf. Seiner Ansicht nach läge es nun aber an den Vereinigten Staaten, Israel zu verwarnen.

USA und Deutschland stehen hinter Israel

Diese fahren derzeit jedoch eine andere Strategie und verurteilen stattdessen die Raketenangriffe der Hamas auf Israel. Wie US-Außenamtssprecher Mark Toner bereits am Mittwoch betonte, unterstütze man Israels Recht auf Selbstverteidigung und verurteile, dass militante Palästinenser seit einigen Tagen mehr als 100 Raketen ins südliche Israel gefeuert hätten. Und weiter: „Wir ermutigen Israel, weiterhin alle Anstrengungen zu unternehmen, um Todesopfer unter Zivilisten zu vermeiden.“ (in der Türkei gab es am gleichen Tag bereits Proteste gegen die Luftangriffe der Israelis – mehr hier) Auch die Bundesregierung hat sich dieser Haltung angeschlossen. Verantwortlich für den jüngsten Ausbruch der Gewalt sei die Hamas mit ihren Raketenangriffen, zitiert das Hamburger Abendblatt die Kanzlerin am Rande ihres Besuches in Moskau. „Es gibt für diese Gewalt keinerlei Rechtfertigung, zumal die israelische Zivilbevölkerung massiv betroffen ist.“

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