Bildung, Fleiß und Professionalität: So erfolgreich sind türkischstämmige Unternehmer in Deutschland

Warum gründen türkischstämmige Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ein Unternehmen? Welche Probleme begegnen ihnen? Und was ist ihr Erfolgsrezept? Die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer (TD-IHK) hat im Rahmen der Gründerwoche Deutschland des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie eine Podiumsdiskussion zu den Erfolgsgeschichten türkischstämmiger Unternehmer veranstaltet. Das Fazit: Ihr wirtschaftlicher Erfolg steht in Verbindung mit gelungener Integration.

Doch welche Motivation haben türkischstämmige Bürgerinnen und Bürger heute, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen? Welche Probleme stellen sie ihnen dabei in den Weg? Und welche Rolle spielt eigentlich ihr Migrationshintergrund? Ein Migrationshintergrund, so wurde laut Sönksen während der Diskussion deutlich, biete Unternehmerinnen und Unternehmern viele Vorteile. Herr Gözüakça berichtete diesbezüglich, wie er mit seiner Marketingagentur im Ethno-Marketing aktiv sei und für große Unternehmen Türkischstämmige in Deutschland anspreche. Gleichzeitig dürfe man sich aber nicht nur auf diese Zielgruppe konzentrieren, sondern müsse sich der gesamten Gesellschaft öffnen (viele Migranten wollen gar keine explizite Ansprache – mehr hier). Dies führe, so Gözüakça weiter, zu gegenseitiger Akzeptanz und unterstütze Integration. Dabei gelte sowohl innerhalb Deutschlands als auch in den Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei: Unterschiede sind vorhanden, diese stellen aber vorwiegend eine Bereicherung für das Geschäft dar. Herr Uzuner betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit des Engagements in wirtschaftlichen und sozialen Organisationen.

Professionalität als Schritt zur Integration

Soweit die Theorie. Doch wie steht es mit der Praxis? Als ihre „Erfolgsrezepte“ nannten alle drei Unternehmer eine gleichsam einfache, wie wirkungsvolle Mixtur mit internationaler Geltung: Bildung, Fleiß und Professionalität. Auch dies könne als ein Schritt zur Integration verstanden werden, so Uzuner: „Deutsche können sich hervorragend professionalisieren“. Görgün betonte diesbezüglich auch die Wichtigkeit ständiger Fortbildung. Zur erfolgreichen Unternehmensführung gehöre sowohl aus gesellschaftlichen als auch betriebswirtschaftlichen Gründen außerdem ein Diversity Management (das deutsch-türkische Handelsvolumen könnte noch viel größer sein, wenn es nicht das Hindernis der Visa-Bestimmungen gäbe – mehr hier).

Doch wie diese Erfolgsgeschichten nachhaltig voranbringen? Für alle Anwesenden kristallisiert sich derzeit ein wesentliches Manko am Wirtschaftsstandort Deutschland heraus: Der Fachkräftemangel. Dem müsse verstärkt mit Ausbildung, aber auch mit Gewinnung ausländischer Experten entgegengetreten werden. Eine Forderung, die nicht zum ersten Mal laut wird. „Die Gesellschaft kann es sich schon wirtschaftlich nicht leisten, auf muslimische Fachkräfte zu verzichten“, erklärte die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor bereits im vergangenen April im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Die mangelnde Anerkennung von Muslimen und ihre geringeren Chancen auf dem Arbeitsmarkt können bei vielen zum Entschluss führen, Deutschland den Rücken zu kehren. Denn oftmals haben sie gerade im Ausland doppelt so viele Chancen. Dort sei die Denkart eine ganz andere: „Wenn zum Beispiel Menschen mit türkischer Herkunft in die Türkei auswandern, bringen sie doppelte Kompetenzen mit. Sie können Deutsch und Türkisch und kennen beide Kulturen, was dort geschätzt wird“, so Kaddor.

Mehr zum Thema:

Mikrozensus 2011: Statistisches Bundesamt bestätigt 3 Millionen türkischstämmige Migranten in Deutschland
Röslers „Blue Card“ bringt keine Facharbeiter nach Deutschland
Lamya Kaddor: „Deutschland kann es sich nicht leisten, auf muslimische Fachkräfte zu verzichten“


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.