Smartphone-App hilft bei Behandlung von Depressionen

Mit der Nutzung einer App können Menschen, die an einer Depression leiden, ihre Erkrankung bald überwachen lassen. Dies helfe, Behandlungskosten zu sparen und reduziere die Medikamenteneinnahme der Patienten auf das Nötigste.

Monarca, so lautet der Name des Projekts, mit dessen Hilfe sich Menschen mit manisch-depressiven Erkrankungen bald aus der Entfernung überwachen lassen können. Entwickelt wurde das Konzept zur Beobachtung von Patienten mit Depressionen vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie in Bielefeld (CITEC). Der Name Monarca steht für „Monitoring, treatment and prediction of bipolar disorders“, was so viel bedeutet wie Beobachtung, Behandlung und Vorhersage von bipolaren Störungen.

Den Kern des Projekts bildet ein Smartphone, mit dessen Hilfe die medizinisch relevanten Daten an die verantwortlichen Ärzte weitergeleitet werden. Die Daten stammen von einem am Körper getragenen Sensor, der die psychologische Erregung des Patienten misst. Regelmäßige Messungen müssen zudem an einer Station durchgeführt werden, die die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichnet.

Zusätzlich werden vom Smartphone noch die GPS-Daten mitgeliefert. Des Weiteren werden die Häufigkeit, die Dauer sowie die Intensität von Telefonaten ausgewertet. So können über eine erhöhte Bewegungs- und Telefonaktivität zusätzliche Aussagen über den emotionalen Zustand des Teilnehmers getroffen werden. Trägt man alle gesammelten Daten zusammen, stehen dem medizinischen Personal damit detaillierte Informationen über die Krankheitsentwicklung und den Zustand des Patienten zur Verfügung.

Das ermöglicht es den Ärzten jederzeit einzugreifen, sollten sich die Symptome verschlechtern. Darüber hinaus bietet die Vielzahl der gesammelten Werte neue Möglichkeiten zur individuellen Therapie von manisch-depressiven Erkrankungen. So können zum Beispiel Medikamente besser auf den jeweiligen Individualfall eingestellt werden. Das hilft, Behandlungskosten zu sparen und reduziert die Medikamenteneinnahme der Patienten auf das Nötigste.

Monarca wird derzeit in Dänemark und Österreich klinisch getestet und die Ergebnisse werden evaluiert. Das Projekt ist dabei mit den gängigen medizinischen Informationsdiensten kompatibel. Sollte sich Monarca als effektiv erweisen, kann es daher problemlos auch auf Deutschland ausgeweitet werden.

Vor allem innerhalb der türkischen Community in Deutschland sind seelische Erkrankungen noch immer mit einem Tabu verbunden. „Die Betroffenen selbst reden beim Arzt schon offen darüber. Aber in der Community oder in der Familie reden sie eher nicht über psychische Beschwerden. Sie reden eher über körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Rückenschmerzen, aber sie reden nicht darüber, dass sie vielleicht eine Depression haben. Psychische Erkrankungen sind stigmatisiert, und teilweise auch tabuisiert“, so eryam Schouler-Ocak, Leitende Oberärztin der Psychiatrischen Universitätsklinik der Berliner Charité im St. Hedwig-Krankenhaus im Gespräch mit den Deutsch-Türkischen-Nachrichten.

Darüber hinaus gebe es Untersuchungen, die darauf hinweisen würden, dass im Rahmen dieses Migrationsprozesses Migranten häufiger depressive Störungen, Angststörungen und Suizidalität entwickeln. Bei der Suizidalität gebe es Hinweise darauf, dass die Suizid-Rate der ersten Generation so hoch sei wie in der Heimat, bei der zweiten steige sie an und bei der dritten were sie wahrscheinlich auch weiter ansteigen. Aber so klar sei das alles noch nicht. „Was klar ist, ist, dass z.B. Frauen eine deutlich höhere Suizid-Versuchsrate haben als einheimische Frauen. Bei jungen türkisch-stämmigen Frauen dagegen ist die Suizidrate doppelt so hoch wie bei einheimischen Gleichaltrigen. Da passiert irgendetwas. Insgesamt ist aber sonst die Suizid-Rate niedriger als die der einheimischen Deutschen.“

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