Kriegerische Auseinandersetzung im Nahen Osten: Zentralrat der Muslime appelliert an die Religionsgemeinschaften

Die Lage im Nahen Osten bleibt weiterhin dramatisch. Rufe nach einer Waffenruhe verhallen ungehört. Mindestens 80 Palästinenser und drei Israelis wurden seit Beginn der Auseinandersetzungen in der vergangenen Woche getötet. Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) verfolgt den Konflikt zwischen Israel und Gaza mit größter Besorgnis. Der Dachverband appelliert an alle Religionsgemeinschaften und die internationale Gemeinschaft. Die Aussichten auf Erfolg scheinen jedoch gering.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan fand an diesem Montag auf einer Konferenz in Istanbul scharfe Worte für das Geschehen im Nahen Osten: Israel, so der AKP-Politiker, sei ein „terroristischer Staat“ vor dessen Taten die ganze Welt die Augen verschließe. Vor dem Angesicht aller würde Israel in Gaza Massaker an Zivilisten und Kindern verüben.

Und die Gewaltspirale dreht sich auch an diesem Montag weiter. Neue israelische Luftangriffe sollen mindestens sieben Palästinenser getötet haben. Unter den Opfern haben sich auch ein fünfjähriges Kind sowie eine Frau befunden. Nach Ansicht von Erdoğan ist die Sache klar: Hierbei handelt es sich um „Terrorakte“.

Souveräner palästinensischer Staat existentiell für Frieden

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat sich an diesem Montag eingeschaltet. In einer Mitteilung an die Presse stellt sich der in Köln sitzende Dachverband hinter die Position der Türkei: „Die gezielten und zu hundertfach erfolgten Angriffe auf die Infrastruktur in Gaza treffen keine Terroristen, sondern Palästinenser und in erster Linie unschuldige Zivilisten.“ Die gewaltsame Eskalation, so heißt es weiter, bringe Zerstörung und Leid für alle Beteiligten, torpediere das Existenz- und Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und rücke die Gründung eines souveränen palästinensischen Staates in weite Ferne. Doch genau diese sei aber existentiell für einen dauerhaften und nachhaltigen Frieden im Nahen Osten.

Statt wie die USA in der vergangenen Woche an Ägypten, die Türkei und ihre europäischen Partner zu appellieren, im Konflikt zu vermitteln, ruft der ZMD nun die internationale Völkergemeinschaft zum Handeln auf (der Premier kündigte an, mit Obama zu telefonieren – mehr hier). Sie solle alle Anstrengungen unternehmen, dass internationales Völkerrecht für den Nahen Osten wieder zur Geltung gebracht werde. Mit Blick auf die jüngsten Bemühungen Ägyptens, eine Waffenruhe zwischen Israel und Gaza zu erreichen, kommentiert der ZMD weiter: „Jedem Land, welches dieses Ziel verfolgt und sich als Vermittler hierfür einbringt, gebührt unsere uneingeschränkte Solidarität. Wir sind überzeugt, dass der von den arabischen Völkern eingeschlagene Weg der Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit unumkehrbar und auch durch diesen Krieg nicht zu stoppen ist.“

ZDM: „Die Waffen müssen schweigen“

Neben den diplomatischen Kräften der Politik sind für den ZMD allerdings noch andere Kräfte entscheidend, die seiner Ansicht nach durchaus zu einer Lösung des Konflikts beitragen könnten. „Wir appellieren an alle Religionsgemeinschaften dafür Sorge zu tragen, dass die Prinzipien und die Ethik aller Offenbarungsreligionen – Judentum, Christentum und Islam – nicht zum Spielball makabrer Machtpolitik wird“, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Religionsgemeinschaften müssten sich gegenüber der Instrumentalisierung durch die Politik vehementer und viel lauter zur Wehr setzen, indem ihre Anführer zur Versöhnung anstatt zur Rache aufrufen, und Frieden statt Gewalt vorlebten. „Die Waffen müssen schweigen, die Stimme der Vernunft und der Menschlichkeit Oberhand gewinnen; das Recht des Stärkeren darf niemals Prinzip der Politik werden.“

Mittlerweile findet der Krieg auch auf virtueller Ebene statt. Wie unter anderem der Stern zur Stunde meldet, habe es in den vergangenen vier Tagen 44 Millionen Hackerangriffe auf  Webseiten der Regierung in Tel Aviv gegeben. Es sollen gleich mehrere israelische Regierungsseiten lahmgelegt worden sein. Twitter, Facebook, Youtube – alle wesentlichen Sozialen Netzwerke würden mittlerweile zu Propagandazwecken genutzt. Selbst das internationale Hacker-Kollektiv Anonymous hat sich inzwischen eingeschaltet, nachdem die israelische Regierung damit drohte, die Kommunikationsverbindung in Gaza zu kappen, und habe unter dem Hashtag „#OpIsrael“ die „Operation Israel“ ins Leben gerufen (das Hacker-Kollektiv ist auch in der Türkei nicht unbekannt – mehr hier).

Derweil schürt der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über Twitter weiter Ängste. So sei Israel „bereit zur Ausweitung des Einsatzes“. Man werde alles tun, um die eigenen Bürger zu schützen. Zwar versuchte das israelische Außenministerium zu beschwichtigen, doch die Botschaft des Tages ist klar: „(…) wenn Hamas nicht gewillt ist, den Raketenbeschuss Israels für eine lange Zeit zu stoppen, sind wir bereit, den Einsatz zu einer Bodenoffensive auszuweiten.“

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