Aktive Zuwanderungs- und Integrationspolitik: Festschrift für SVR-Gründungsvorsitzenden Klaus J. Bade erschienen

Bereits im August ist der renommierte Migrations- und Integrationsforscher Professor Dr. Klaus J. Bade turnusgemäß als Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) abgetreten. Jetzt ist die Festschrift anlässlich des Symposiums zu seiner Verabschiedung erschienen. Die Redner würdigen sein jahrzehntelanges Engagement für eine konzeptorientierte, aktive Zuwanderungs- und Integrationspolitik. Während sie also in die Vergangenheit blicken, hat er selbst derzeit schon wieder neue Ziele vor Augen.

Schon Ende Juli hatte Professor Dr. Klaus J. Bade angekündigt, nach seinem Abtritt beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) nicht auf der sprichwörtlichen faulen Haut zu liegen. Es werde Wortmeldungen von ihm geben, „die einigen Zeitgenossen nicht gefallen werden“, so der Wissenschaftler in einem gemeinsamen Rückblick mit den Deutsch Türkischen Nachrichten (der Zeitpunkt für einen Neustart hätte nicht besser sein können, so Bade damals – mehr hier).

Jetzt, fast drei Monate nach dem Symposium zur seiner Verabschiedung, ist nicht nur die dazugehörige Festschrift erschienen, sondern auch Bade selbst meldet sich erneut zu Wort. „Ich war in den letzten Monaten auf Tauchstation wegen eines Buches, das im Frühjahr 2013 erscheinen wird und in dem ich meinen Kampf für ein solidarisches Wir in einer demokratischen Einwanderungsgesellschaft ohne die Ausgrenzung von Minderheiten wie insbesondere von Islam und Muslimen fortsetzen werde“, informiert er die Deutsch Türkischen Nachrichten über seine aktuellen Pläne (die Sarrazin-Debatte hatte die Zuversicht bei Zuwanderern in Deutschland getrübt – mehr hier). Das vom Verlag Schöningh für das Frühjahr 2013 geplante neue Buch von Klaus J. Bade heißt: „Von der Kritik zur Gewalt. Sarrazin-Debatte, ‚Islamkritik‘ und rechter Terror in Deutschland“. Lesestoff gibt es aber auch bis dahin reichlich.

In der jetzt herausgebrachten Publikation wurden die Reden und Festvorträge aus Politik und Wissenschaft, die am 30. August 2012 zu Ehren von Professor Bade gehalten wurden, vereint. Unter anderem mit dabei: Dr. Heiner Geißler und Prof. Dr. Dieter Oberndörfer.

Paradigma ‚Deutschland ist kein Einwanderungsland‘ ist gefallen

Bade, so würdigt etwa Geißler in seiner Ansprache, habe eine wissenschaftliche Fundierung der Integrations- und Zuwanderungspolitik vorgelegt und maßgeblich dazu beigetragen, dass aus der Ausländerpolitik nach Jahrzehnten eine Einwanderungs- und Integrationspolitik geworden sei. Er habe der lange anhaltenden „defensiven Erkenntnisverweigerung“ der Politik klare Argumente entgegengesetzt. Er habe einen langen Atem gebraucht, bis das Paradigma ‚Deutschland ist kein Einwanderungsland‘ schließlich gefallen sei (Deutschland, so erklärt er im Frühjahr 2011 im Gespräch mit den DTN sei eher auf der Kippe zum Abwanderungsland – mehr hier). Doch immer wieder flammen in der Gesellschaft fremdenfeindliche Debatten auf.

„Einigen Leuten hat es keine Ruhe gelassen, dass in der deutschen Fußballnationalmannschaft Fußballer mitspielen, die nicht Wilhelm Schulz oder Dieter Meier heißen, sondern Sami Khedira, Jerome Boateng, Mario Gomez und, völlig unglaublich, sogar Mesut Özil“, so Geißler. „Mit gleichem Recht könnte man auch fragen, wie ein Deutscher aussihet. Wie die Glatzen in Südost-Sachsen oder wie Thilo Sarrazin? Oder wie Heino und Florian Silbereisen“, fragt er weiter. Der Nationalismus, so Geißler weiter, habe viele Opfer gefordert. Doch nicht „als völkisches kollektiv“, sondern als „demokratisches, weltoffenes, europäisch integriertes Gemeinwesen“ habe Deutschland den größten Erfolg erzielt. Nur mit Besinnung auf diese Werte könne das auch in Zukunft der Fall sein.

1994 „Zäsur in der Migrationsdebatte“

Prof. Oberndörfer wiederum lobt Bade als „international geachteten Migrationshistoriker“, der die Debatte über Migration und Integration in Deutschland nachhaltig geprägt habe. Sein Prestige als Wissenschaftler, so Oberndörfer weiter, habe er als vertrauensbildendes Kapital für sein engagiertes Eintreten für eine konzeptorientierte, aktive Integrations- und Zuwanderungspolitik genutzt. Zu den Meilensteinen im Wirken von Klaus J. Bade zählt die Gründung des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück. Das von Klaus J. Bade initiierte „Manifest der Sechzig: Deutschland und die Einwanderung“ von 60 Professorinnen und Professoren verschiedener Fachrichtungen über Konsequenzen der demografischen Entwicklung und die Notwendigkeit aktiver Migrations- und Integrationspolitik markierte 1994 zudem eine „Zäsur in der Migrationsdebatte“.

Daneben zu Wort kommen unter anderem die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Aydan Özoğuz (sie läutete im vergangenen Jahr eine neue Ära bei den Sozialdemokraten ein – mehr hier), der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir sowie der SVR-Kuratoriumsvorsitzende, Staatssekretär a.D. Rüdiger Frohn.

Die 48 Seiten starke Festschrift kann von der Internetseite www.svr-migration.de heruntergeladen werden.

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